Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien fĂŒr Teenager ergeben

Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 18. September 2012 12:50

Hallo ihr Lieben!

Bevor ich zur Arbeit los muss, ein kurzes Update der letzten Tage ....

Am vergangenen Samstag hat mein Neffe geheiratet(ja, ich habe einen Neffen, der schon im heiratsfĂ€higen Alter ist *lach*). Um mal ganz genau zu werden, es ist der Neffe meines Exmannes, aber durch unser enges FamilienverhĂ€ltnis, bin ich fĂŒr alle immer noch die Tante. Alle waren eingeladen, alle waren da .... nur unsere Älteste nicht.
Es muss zwischen Papa und Tochter mal wieder eine Diskussion gegeben haben, in deren Verlauf unsere Tochter gesagt haben soll. es tÀte ihr gut, auch mal jemandem (ganz speziell ihrem Vater) weh zu tun. Ich habe nicht weiter nachgefragt. Jedenfalls hat mein Exmann sich sich deshalb geweigert, sie mit dem Auto zur Hochzeit mitzunehmen. Er wollte wohl eine Entschuldigung. Sie war nicht bereit dazu. Mit ihrer Tante konnte sie nicht fahren, da deren Auto schon voll war. Mit der Bahn hatte sie anscheinend keine Lust.
Fast jeder hat auf der Hochzeit nach ihr gefragt und jedes Mal habe ich gesagt, ich wisse nicht wo sie sei. Was hÀtte ich auch anderes sagen sollen?

Am Sonntag dann habe ich ihr eine sms geschickt und gefragt, wo sie gewesen sei, ich hÀtte sie vermisst. Als Antwort kam, sie hÀtte sich den Magen verdorben und hÀtte daher nicht kommen können. Nein - das war definitiv gelogen. Ich habe ihr darauf hin eine E-Mail mit folgendem Inhalt geschickt:

Liebe xy!

Vielleicht wunderst du dich, dass ich diesen Weg wÀhle und dich nicht anrufe oder um eine Treffen bitte. Aber im Moment scheint mir das so der beste Weg zu sein.

Du warst nicht auf der Hochzeit von Moritz und Tina, weil du dir den Magen verdorben hast, sondern weil Papa dich nur unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Auto mitnehmen wollte und du diese Voraussetzungen nicht erfĂŒllen wolltest. Aber das ist eine Sache, die du mit Papa allein regeln musst. Da halte ich mich raus.

Was mir allerdings so weh tut ist, dass du mich angelogen hast. Warum tust du das?
Siehst du nicht, dass sowohl Papa als auch ich uns Sorgen um dich machen?

So viele Leute haben gestern nach dir gefragt. Was hĂ€tten wir denn sagen sollen? Sollen wir deine Familie belĂŒgen? Nein, das sollten wir nicht tun. Also habe ich jedesmal einfach nur gesagt, ich wisse nicht, warum du nicht da wĂ€rst und jedes Mal tat es mir weh.
Deine Oma, deine Tanten und Onkel, deine Cousins und Cousinen - alle fragen nach dir, wĂ€ren fĂŒr dich da, wenn du nur endlich ehrlich sagen wĂŒrdest, wo deine Probleme tatsĂ€chlich liegen. Leider kehrst du einer Familie den RĂŒcken, wie man sie heute nicht mehr oft findet. Ich finde, du kannst stolz und froh sein, Teil einer solchen Familie zu sein. Tritt das nicht mit FĂŒĂŸen, darum bitte ich dich.
Schau dir doch nur mal (mein Liebster) und seine Familie an. Da besteht von Seiten seiner Eltern keinerlei Interesse an (mein Liebster oder (unser Kleiner). Der Kontakt ist mittlerweile komplett eingeschlafen und ich weiß, auch wenn (mein Liebster) nie darĂŒber redet, wie weh ihm das tut. HĂ€tte(mein Liebster) solche Probleme, wie du sie hast, so wĂ€re es seinen Eltern egal.

Du hast Mist gebaut und wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist, dann weißt du das auch. Aber niemand schaut dich schief an oder bricht den Stab ĂŒber dir. Alle fragen sich, wie sie dir helfen können. Warum nutzt diese Chance nicht?

Ich bitte dich instĂ€ndig darum, dir Hilfe von außen (Psychologe ect.) zu suchen und nimm die Hilfe an, die dir diese tolle Familie bietet.

Weißt du - eine deiner Tanten glaubt, dass dein Verhalten evtl. daran liegen könnte, dass ich euch MĂ€dchen damals von jetzt auf gleich bei Papa gelassen habe und du das einfach nicht verarbeitet hast. Papa hatte mich gebeten, deshalb noch einmal das GesprĂ€ch mit dir darĂŒber zu suchen.
Ich selbst weiß aber, dass ich unzĂ€hlige Male mit euch beiden und speziell mit dir ĂŒber die GrĂŒnde gesprochen habe. Daher sehe ich eigentlich nicht wirklich ein, ob dieses GesprĂ€ch etwas bringen wĂŒrde. Es mag sein, dass du das (noch) nicht verarbeitet hast. Aber daran wĂŒrde auch ein erneutes GesprĂ€ch nichts Ă€ndern.
Meine Meinung ist, dass du lernen solltest, nicht mich und mein Verhalten fĂŒr dein Leben verantwortlich zu machen, sondern die Verantwortung fĂŒr dein Leben selbst in die Hand nehmen. Du bist fast 20 Jahre alt und es wird Zeit dafĂŒr. Du möchtest wie eine Erwachsene behandelt werden, dann verhalte dich auch so. Du kannst dir sicher sein, dass wir dir alle dabei helfen werden.

Ich weiß, diese Mail empfindest du als einzige Kritik an dir. Aber so ist sie nicht gemeint und auch das weißt du. Mein Wunsch an dich wĂ€re, dass du sie als Chance begreifst.
Hier bei uns steht dir die TĂŒr immer offen, wenn du die Chance tatsĂ€chlich nutzten möchtest ......

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Mama


Ob diese Mail so bei ihr ankommt, wie ich sei meine? Ich habe sie aus dem Bauch heraus geschrieben und ich kann nur hoffen, dass sie FrĂŒchte trĂ€gt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Bolz 18. September 2012 13:07

Hallo Muckelmaus,

ich wollte nur mal sagen, dass ich sowohl die sehr schöne und behutsame Wortwahl, als auch die Formulierungen wie Du sie gewÀhlt hast sehr gut finde.

Auch die Übersendung per Email halte ich fĂŒr die beste Wahl, denn wie Du schon geschrieben hast, wird sie es sicher als fortlaufende Kritik empfinden, aber durch die Schriftform hat sie die Möglichkeit ein paar Tage drĂŒber nach zu denken.

Ich wĂŒnsche Dir/Euch viel Erfolg
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon sonnenschein2 18. September 2012 13:18

Liebe Muckel,
die Situation auf der Hochzeit war blöde fĂŒr dich. LĂŒgen ging auf keinen Fall, das sehe ich auch so. In meinen Augen ist es dann besser so zu antworten wie du es gemacht hast. Genaueres könnte die Familie dann von eurer Tochter persönlich erfahren. Das wĂ€re auch nicht deine Aufgabe gewesen.
Zu deiner Mail kann ich als Außenstehende nur meine Sichtweise schildern. Ich glaube, ich hĂ€tte in deiner Situation genauso geschrieben. Du hast sehr vorsichtige und empatische Worte gewĂ€hlt. Ich gehe aber fast davon aus, dass sie von deiner Tochter nur als VorwĂŒrfe und Schuldzuweisungen gesehen wird. Es ist auch gut, dass du deine Sichtweise verschriftlich hast. Ich schĂ€tze eure Tochter im Augenblick nicht so ein, dass sie sachlich den Inhalt verstehen kann. Aber du hast keine andere Möglichkeit. Sie ist volljĂ€hrig. Im Grunde könnte dein Exmann sie nur auf die Straße setzen, denn sie ist fĂŒr ihr Tun selbst verantwortlich. Dies kommt zum jetztigen Zeitpunkt sicherlich nicht in Frage. Sie braucht Hilfe, das sehe ich genauso wie du. Auch wenn sie ein PĂ€ckchen aus der Vergangenheit trĂ€gt, ist das nicht mehr deine Verantwortung. Ich weiß aber gerade nicht wie sie die Hilfe bekommen kann, denn du kannst sie ja nicht mehr zwingen. Vielleicht kannst du dich beraten lassen, wie man vorgehen könnte. Hatte sie jetzt eigentlich ihren Schulabschluss gemacht?
Ach Muckel, lass dich mal drĂŒcken. Leider kann ich dir keine andere Hilfe geben zurZeit...Ich finde es gut, dass du weiter am Ball bleibst und deiner Tochter auch signalisierst, dass du auch weiterhin fĂŒr sie da bist.
Liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 19. September 2012 08:43

Guten Morgen ihr Lieben!

Gestern Abend hatte ich tatsĂ€chlich eine Antwort von ihr. Ich gebe zu, dass ich darĂŒber erstaunt war, denn damit gerechnet hatte ich nicht.

Ich kopiere sie euch einmal, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt.

Hallo Mama,



es ist mir ehrlich gesagt ganz egal ob du mir jetzt glaubst oder nicht.

Gerade du beschwerst du dich darĂŒber das ich euch angelogen habe? Wie oft habt ihr uns denn angelogen? Ich habe dich, Papa und Matthias oft genug beim LĂŒgen erwischt. Außerdem war es allein meine Entscheidung und geht euch nichts an. Klar ist mir bewusst das es nicht in Ordnung war, aber wie gesagt es war meine Entscheidung.

Und seit wann machst du dir Sorgen? Du hast dich seit ich ausgezogen so weit ich mich erinnere kein einziges Mal bei mir gemeldet. Unsere Treffen oder Telefonate sind immer von mir ausgegangen. Selbst als die Sache im ersten Jahr auf der HöHa passiert ist, hast du nicht gefragt wie es mir geht oder mir deine Hilfe angenoten.

Ich brauche keine Hilfe von einem Psyschologen oder sonst irgendjemanden, mir geht es gut.

Und unser angespanntes VerhĂ€ltniss hat kaum noch was damit zu tun, dass du damals abgehauen bist. Es sind genug andere Dinge passiert. Ich weiß das wirst du wieder ganz anders sehen, aber auch das ist mir egal. Es liegt nĂ€hmlich nicht nur an mir, dass wir kein gutes verhĂ€ltniss haben.

Und von welcher Chance sprichst du eigentlich? Welche soll ich nutzten? Ich habe keine Lust mehr darauf dir hinterher zu laufen. Wenn du keinen Kontakt zu mir möchtest ist das Ok, es war ja schon fast so als ich noch bei euch gewohnt habe. Ich werde mich jedenfalls nicht mehr darum kĂŒmmern, wenn du Kontakt willst dann kĂŒmmere dich darum. Ich werde es nicht mehr tun.



xy


FĂŒr mich spricht daraus im Moment viel Wut und auch, dass sie diese Mail aus dem Bauch heraus geschrieben hat.
Gleichzeitig erscheint sie mir aber so, dass sie auf eine Reaktion von mir hofft und wartet.

Ich werde eine Antwort gut ĂŒberdenken und auf ihren Vorwurf eingehen. Allerdings werde ich mich nicht fĂŒr irgendetwas entschuldigen. Ich werde ihr lediglich zu verstehen geben, dass es mir leid tut, wenn sie so fĂŒhlt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon sonnenschein2 19. September 2012 08:56

Guten Morgen liebe Muckel,
Ich sehe auch sehr viel Wut und EnttÀuschung in den Worten deiner Tochter. Ich sehe auch, dass sie sehr in der Vergangenheit bleibt und nicht den Bezug zum Jetzt hat. Da hat sich eine Menge aufgestaut, so glaube ich zu lesen. Aber immerhin hat sie dir geantwortet.
Ich finde es auch gut, dass du die Worte zunĂ€chst sacken lassen möchtest. Es ist auch gut, dass du ihr signalisieren möchtest, dass du ihre GefĂŒhle siehst. Entschuldigen kann man sich nur wenn man einen Fehler einsieht, den man gemacht hat. Ich glaube auch nicht, dass man sich als Mutter bei den Kindern entschuldigen muss, wenn man eine Partnerschaft verlĂ€sst. Das sind Erwachsenen Dinge. Man kann den Kindern vielleicht mal erklĂ€ren warum man so gehandelt hat. Ich entschuldigen mich auch nicht bei meinen Kindern dass ich ihren Vater verlassen habe und die Ehe beendet habe. Oder das ich jetzt arbeiten muss und sowenig Zeit fĂŒr sie habe.
FĂŒr mich lesen sich die Worte deiner Tochter auch wie die eines pubertĂ€ren Teenies. So nach dem Motto..." mir gehts gut und ich brauche niemanden, schon gar nicht meine Eltern und ĂŒberhaupt, bin ich erwachsen und kann alles alleine." Du kannst halt nur schauen, wie du damit umgehst. Was dein Exmann aus der Situation macht kannst du nur bei ihm belassen.
Ich glaube, ich wĂŒrde sie fragen wie sie sich den Kontakt wĂŒnscht. Ganz konkret. Und daran wĂŒrde ich mich halten. Diese Regelungen können ja immer wieder in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden hinterfragt werden. Aber so bitter es auch sein mag, sie ist volljĂ€hrig und fĂŒr sich und ihr Tun selbst verantwortlich. Wenn sie keine UnterstĂŒtzung wĂŒnscht, kann du sie ihr nicht aufzwingen.
Liebe Muckel, ich weiß, dass dies alles nur Worte sind und sie dir nicht so sehr weiterhelfen. Sie ist eure Tochter und du möchtest nur das beste fĂŒr sie... Ich sehe dich in deinem Kummer.
Ganz liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 19. September 2012 10:05

Liebe Muckel,

da sind aber allerlei Dinge in Bewegung, hui....... zuerst, Deinen Brief fand ich sehr empathisch geschrieben und das sie Dir geantwortet hat, ist auch ein gutes Zeichen und zeigt, das Deine Worte klug gewĂ€hlt waren und sie berĂŒhrt haben.

Stellen wir uns ein wenig von ihr weg. Wir sehen ein MÀdchen, das sich in voller Gegenwehr befindet und doch ahnt und es auch nicht abstreitet, das sie beteiligt ist, noch nicht bereit sich dem vollstÀndig zu stellen und es erst einmal klassisch versucht "aber ihr......."

Erinnert mich gestern am meine JĂŒngste, wir waren ohne sie in Berlin und hatten auch angefĂŒhrt, das uns diese spontane Zugreise fĂŒr die ganze Familie irgendwie mit knapp 390,- € zu teuer wĂ€re, das fand sie vorher total okay.... gestern Abend als wir heim kamen, hatte sie aber eine Laune, auweia.... und schmiss uns dann vor die FĂŒĂŸe, "ich hĂ€tte die Fahrt ja auch selbst bezahlt, aber ihr wolltet mich ja nicht mitnehmen!" *ups* und ich hab geantwortet "Du, ich wĂ€re nicht darauf gekommen, das Du das hĂ€ttest tun wollen, schade das Du uns das nicht vorgeschlagen hast........" Ich weiß bestimmt, das sie selbst nicht daran gedacht hat, sondern das ihr das so spĂ€t eingefallen ist und ich weiß auch, das sie das real life nicht getan hĂ€tte - was sie mit ihrem Geld anstellt, ĂŒberlegt sie sich nĂ€mlich 10 mal, aber das muss ich ihr nicht sagen.... ich hab sie stehen lassen und heute morgen war es wieder gut. Was immer ihr gestern ĂŒber die Leber gelaufen war.... solche Tage gibt es.

Du musst fĂŒr Dich ĂŒberlegen, ob an ihren VorwĂŒrfen etwas dran ist. Hast Du Dich wirklich nicht bei ihr gemeldet, sie gefragt, wie es ihr geht? Habt ihr sie tatsĂ€chlich belogen? Das sind wirklich ernste VorwĂŒrfe?

Entschuldigungen, sag ich hĂ€ufig, sind keine Kapitulation. Ich kann mich entschuldigen, weil es mir einfach von Herzen leid tut, wie es jetzt grade ist. Ich muss mich nicht entschuldigen, fĂŒr das was ich getan habe. Das mein Kind sich grad mies fĂŒhlt, das kann mir wirklich von Herzen leid tun...... das kann ich auch sagen und sogar, das ich nie wollte, das die Dinge so passiert sind, wie sie geschehen sind. Aber ich kann auch bei mir bleiben und sagen "ich habe keinen anderen Weg gesehen.......... das tut mir leid." Und notfalls auch "ich verstehe Dich, und ich kann auch verstehen, das Dir das alles nicht gefĂ€llt - muss es auch gar nicht, aber es ist so wie es ist, und Du musst einen Weg finden, damit umzugehen, oder wir finden ihn gemeinsam!"

Und in einer Antwort darfst Du sie auch darauf hinweisen, das sie es wahr, die sich schlecht benommen hat, das es schwierig war, mit ihr zu sprechen, weil sie gleich ausgetickt ist. Das Dir die Worte gefehlt haben...... das es nicht nur um sie geht, sondern um alle..... sogar, das Du es nicht besser hinbekommen hast. (Ganz ohne Entschuldigung). Frag sie doch einfach mal, was sie sich wĂŒnschen wĂŒrde?

Geh nicht auf den Vorwurf ein, "seit wann machst Du Dir Sorgen?" Bleib bei Dir. So etwas in der Art "Schade das Du nicht merkst, wie wichtig Du mir bist" wĂ€re kein Vorwurf sondern eine ehrliche Aussage, die die Reaktionen die es ja gab, bei ihr lassen. Denn sie hat natĂŒrlich ihren Anteil. Nun braucht sie keine VorwĂŒrfe, aber das Belassen ihrer Reaktionen als ihr eigener Anteil, das ist okay und wichtig.

Biete ihr Wege an.... so wie Du es ja schon getan hast, sag ihr einfach, wie wichtig sie Dir ist und dass das Leben manchmal eben auch einfach blöd lÀuft, man es aber besser machen kann....

Weißt was ich meine?

Ganz liebe GrĂŒĂŸe, ich denk an Dich
Ansa
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 19. September 2012 10:29

Ach ihr Lieben ..... wenn ich euch nicht hÀtte.

Da ich heute frĂŒh allein daheim bin und es grad wunderbar ruhig hier ist, habe ich mich eben mal hingesetzt und eine Art Rohfassung einer Antwort fĂŒr unsere Älteste geschrieben.

Liebe xy!

Es scheint mir so zu sein, als dass du deine Mail an mich aus dem Bauch heraus und mit einiger Wut geschrieben hast. Ok, das ist dein gutes Recht – zumindest aus deiner Sicht.

Ich will einmal versuchen, deine Mail zu deuten. Sollte ich falsch liegen, so tut es mir leid.
Mir scheint, du fĂŒhlst dich von mir im Stich gelassen, weil ich euch 1.) damals bei Papa gelassen habe und 2.) dich vor 2 Jahren nach einem heftigen Streit zu Papa habe gehen lassen. Gleichzeitig wirfst du mir vor, ich hĂ€tte mich nie fĂŒr dich interessiert.
Ich möchte dir einmal meine Sicht der Dinge schildern.
Die GrĂŒnde, warum ich euch damals bei Papa gelassen habe kennst du. Von daher werde ich darauf nicht mehr eingehen. In diesem Punkt ist es an dir, das aufzuarbeiten.
Aber hast du dich einmal gefragt, warum du vor 2 Jahren zu Papa gegangen bist? Ok, fĂŒr dich mag es so aussehen, als hĂ€tte ich dich rausgeworfen und im Stich gelassen. Wenn du das so siehst, dann tut es mir leid, denn das waren nicht meine BeweggrĂŒnde.
Die Monate, die diesem Schritt voraus gingen, waren sehr anstrengend fĂŒr die ganze Familie. Du hast in meinen Augen alles, aber auch wirklich alles, daran gesetzt, uns allen hier mit deinem Verhalten, deiner Schreierei, deinen Provokationen nicht nur mir gegenĂŒber, deinem Egoismus das Leben zur Hölle zu machen. Immer wieder hast du betont, dass du viel lieber bei Papa wohnen wĂŒrdest, denn bei ihm sei alles viel besser.
An diesem besagten Tag hast du einfach den Bogen ĂŒberspannt. Du bist mit deinem Verhalten einfach zu tief unter die GĂŒrtellinie gegangen und fĂŒr mich war ein Punkt erreicht, an dem ich das GefĂŒhl hatte, dir nicht mehr gerecht werden zu können.
Wenn du glaubst, dass es mir leicht gefallen wĂ€re, dich gehen zu lassen, dann irrst du. Es hat mir verdammt weh getan und ich fĂŒhlte mich als großer Versager. Immer wieder habe ich die Schuld bei mir gesucht und mich gefragt, was ich falsch gemacht haben könnte. Vor allem aber habe ich dich vermisst.
Oft habe ich daran gedacht, dich anzurufen. Aber immer hatte ich das GefĂŒhl, du willst von mir nichts hören oder sehen. Dieses GefĂŒhl habe ich nie verloren und das ist auch der Grund, warum ich mich Anfang letzten Jahres nicht bei dir gemeldet habe. Mag sein, dass dies ein Fehler war. Aber Ă€ndern kann ich es nicht mehr.

Es tut mir wirklich leid, wenn du dich von mir allein gelassen fĂŒhlst. Aber, wie ich schon schrieb, ich hatte und habe immer das GefĂŒhl, du willst möglichst wenig Kontakt zu mir. Allein das war der Grund, warum ich mich nur selten bei dir gemeldet habe.

Allerdings gebe ich dir zu bedenken, wer dich im letzten Jahr zur Schule begleitet hat, als Papa nicht konnte? Wer war bei dir bei deiner kleinen Operation im letzten Mai? Wer hat dir die Hand hingehalten, als du vor den Sommerferien Mist gebaut hast?
All das sind nur Beispiele dafĂŒr, dass ich sehr wohl fĂŒr dich da war.

Liebe GrĂŒĂŸe
Mama


Es ist bisher nur ein Entwurf und ich ĂŒberlege, ob ich sie nach Beispielen fragen soll, wann wir sie belogen hĂ€tten. Wir Eltern und auch der Liebste waren immer ehrlich zu den MĂ€dchen. Insofern denke ich nicht, dass wir uns etwas vorzuwerfen hĂ€tten und deshalb hĂ€tte ich halt gern Situationen von ihr gehört, in denen sie sich von uns belogen vorkam. Nur so kann ich darauf eingehen und diesen Vorwurf evtl. entkrĂ€ften, Dinge gerade rĂŒcken.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 19. September 2012 10:38

Liebe Muckel,

ich finde den Rohentwurf okay..... und ich glaube, ich wĂŒrde erst einmal nicht auf die Frage nach den "LĂŒgen" eingehen.... es ist so viel, was bei Euch besprochen werden sollte.... und besprochen werden muss, alles auf einmal wird nicht möglich sein.

Warte ab, wie sie reagieren wird und was sie sagt. Ihr seid im GesprĂ€ch miteinander und ich glaube, das ist das Beste was möglich ist. Du kannst jederzeit auf das Thema zurĂŒck kommen oder sie fragen, Du kannst auch sehen, wie sie reagieren wird. Lass Dir und Euch auch Zeit.

Ich drĂŒcke die Daumen
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 28. September 2012 11:48

Ihr Lieben .....

Mal wieder ein Update.

Auf die letzte Mail hat unsere Älteste sehr abwehrend reagiert. Sie gab mir zu verstehen, dass sie nicht mehr gewillt sei, mit mir Mails auszutauschen und ĂŒberhaupt sei sie es leid, mir stĂ€ndig hinterher rennen zu mĂŒssen. So wie sie sich erinnern könne, seien Telefonate, Treffen usw. immer von ihr ausgegangen und darauf habe sie keine Lust mehr. Wenn ich also noch irgendetwas von ihr wolle, so solle ich den Kontakt suchen, sie wĂŒrde sich jedenfalls nicht mehr melden.
Ich gestehe, dass ich zunĂ€chst erstaunt, dann noch erstaunter und spĂ€ter auch wĂŒtend wurde. In mir kam das GefĂŒhl hoch, dass sie einfach nicht begreifen will und/oder kann, was ich ihr zu sagen versuchte. Dann stellte sich mir natĂŒrlich die Frage, wie ich darauf reagiere bzw. ob ich ĂŒberhaupt reagiere. Erst wollte ich eine letzte Mail schreiben, in der ich ihr sage, dass ich ihren Standpunkt zur Kenntnis genommen, mich aber von ihr ganz sicher nicht unter Druck setzen lassen wĂŒrde, wann und ob ich mich melde. Nach einem Telefonat mit Igel habe ich diesen Gedanken dann aber wieder verworfen. Igel gab mir den Rat, ich solle das Unerwartete tun und sie anrufen. Damit wĂŒrde sie ganz sicher nicht rechnen und dann könne sie ja sagen, was genau sie von mir erwarte.
Also habe ich mein Töchterchen angerufen und tatsĂ€chlich ... an ihrer Reaktion konnte man erkennen, dass sie nicht mit mir gerechnet hatte. Es war nĂ€mlich sehr still in der Leitung. Jedenfalls habe ich ihr erklĂ€rt, dass ich nun mal ein Mensch sei, der besser schreiben als reden könne und das auch das ein Grund gewesen sei, warum ich mich per Mail bei ihr gemeldet hĂ€tte. Ich kann nicht sagen, ob sie das nachvollziehen konnte. Aber wir verabredeten uns fĂŒr vergangenen Mittwoch.
Ich hatte mich darauf eingestellt, mit meiner Tochter ein langes, intensives GesprĂ€ch ĂŒber all das zu fĂŒhren, was ihr wohl auf der Seele liegt oder lag und das wir vielleicht die Chance hĂ€tten, einiges UngeklĂ€rte zu klĂ€ren. Es kam ganz anders. Sie redete nur ĂŒber belanglose Dinge, erzĂ€hlte mir von einer angeblichen Lehrstelle im nĂ€chsten Jahr, widersprach sich spĂ€ter dann doch wieder selbst, so dass ich die Existenz dieser Lehrstelle anzweifle. Kurz - es gab kein GesprĂ€ch, sondern nur das flaue GefĂŒhl im Bauch, dass sie immer noch lĂŒgt, sich in den Mittelpunkt rĂŒcken möchte und sonst nichts.
Nun stehe ich also da, weiß nicht, was ich von all dem halten soll, fĂŒhle mich irgenwie leer und denke darĂŒber nach, ob ich ihr die Hand im Moment weiter hin halten soll und vor allem, ob ich es kann.

Erschöpfte GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 28. September 2012 14:12

Liebe Muckel,

mich beschleicht ein GefĂŒhl von - irgendwie wirkt das Ganze total unerwachsen. Ich schieb die Schuld mal Mama in die Schuhe, sie hĂ€tte sich ja melden können? NatĂŒrlich beschleicht Dich da ein ungutes GefĂŒhl und, es ist auch Deinem Kind gegenĂŒber, an der Zeit bei Dir zu bleiben. Wenn Du solche Dinge besser schreiben kannst - dann mach das auch. Schreib ihr ruhig wieder und schreib dazu, das es Dir so leichter fĂ€llt, zu sagen, was Dir am Herzen liegt.... darauf muss sie sich einstellen.

Ich hab auch, in schwierigen Zeiten, mit meiner Großen geschrieben, der Vorteil ist, man kann es mehrfach lesen und nachsehen, was wollte der Andere mir denn sagen und vor allem, man kann auch zu Ende aussprechen, was man sagen wollte.

Dies seichte Geplauder ist in jedem Fall mal eine schöne Abwechslung, aber fĂŒr Konfliktlösungen ist es keine gute Basis. Ich denke, das hast Du auch richtig erkannt, sie will gar nicht darĂŒber reden......

Ob sie lĂŒgt ist eine andere Frage, es ist durchaus vorstellbar, das sie an die Dinge glaubt, die sie erzĂ€hlt? Oder das sie die Dinge so fĂŒr sich wahr nimmt. Das kannst vorerst auch nur so stehen lassen, es sei denn, Du kannst es ihr nachweisen. Blöde Situation, ich weiß.

FĂŒhl Dich gedrĂŒckt
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 2. Oktober 2012 08:31

Guten Morgen alle miteinander!

Ja, ich muss all das, was sie erzĂ€hlt hat, erst einmal stehen lassen. Das Gegenteil beweisen kann ich nicht. Es sind immer nur so kleine Dinge, die mich an ihren Aussagen zweifeln lassen und außerdem ist da immer das blöde GefĂŒhl, ihr von vornherein nicht glauben zu können, weil sie einfach schon zu oft gelogen hat. Das schmerzt mich als Mutter ungemein.

Seit letzter Woche ist wieder Funkstille zwischen uns und im Moment fehlen mir auch die richtigen Worte, um ihr zu schreiben. Denn nichts anderes werde ich tun. Aber ich bin mir sicher, dass der Moment kommen wird, in dem ich genau die Worte habe und in dem ich schreiben werde.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon röschen 2. Oktober 2012 17:44

Liebe Muckel,

endlich finde ich kurz Zeit dir ein paar wenige Worte zu schreiben. Du kennst meine Geschichten und weißt, das ich dir sehr gut nachempfinden kann.
Leider bleibt einem manchmal nichts anderes als zuzuschauen, wie sich die Kinder in ihren eigenene LĂŒgen verstricken, man MitgefĂŒhl entwickelt und nachher umso mehr enttĂ€uscht ist, wenn alles doch nur wieder ein Schauspiel war.
ErklĂ€rungsversuche haben auch bei mir nicht geholfen. Geholfen hat wirklich erst, dass ich sie habe alleine wurschteln lassen. Bei dir ist natĂŒrlich die Situation mit dem Papa eine andere, aber meine Tochter ist ganz schnell an ihre Grenzen gestossen und hat sich dann ganz alleine wieder meine Hilfe gesucht. Aber denk mal nicht, dass das sie ihre Lage inzwischen ihrem eigenen Fehlverhalten anlastet.... Das braucht wohl auch noch.

Ansonsten klappts inzwischen ganz gut. Die Distanz hat da viel geholfen und die Zeit natĂŒrlich, auch wenn das nicht immer leicht ist, das kann ich dir sagen. Bei mir hats geholfen. Du hast deine Hand ausgestreckt, deine Bereitschaft fĂŒr sie dazusein signalisiert. Sie wird das sehen, frĂŒher oder spĂ€ter!

LG DrĂŒck dich lieb :umarmen:
röschen
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 14. November 2012 21:51

Guten Abend ihr Lieben alle!

Lange habe ich nichts geschrieben, aber trotzdem hat sich das ein oder andere getan.

Wir wissen jetzt definitiv, dass unsere Tochter seit Ende November letzten Jahres nicht mehr in der Schule war. Wir wissen aber nach wie vor nicht, warum und wie sie sich ihr weiteres Leben vorstellt. Angeblich bewirbt sie sich fĂŒr eine Ausbildung im nĂ€chsten Jahr. Beweise haben wir dafĂŒr nicht.

Als mein Exmann sie darauf ansprach, dass sie aber seit langem nicht mehr zur Schule geht, obwohl sie doch behauptet hatte, es seien nur die letzten Wochen vor den Ferien gewesen, reagierte sie abweisend. Sie meinte, da habe sie sich wohl vertan. Auch die Tatsache, dass mein Exmann nun fĂŒr all die Monate das Kindergeld zurĂŒck zahlen muss, scheint sie nicht sonderlich zu interessieren.
Nach wie vor lĂ€sst sie niemanden an sich heran und ich gebe zu, dass ich mittlerweile nicht mehr weiter weiß. Meinem Exmann geht es Ă€hnlich wie mir. Er ist fassungslos und enttĂ€uscht.

Nachdenkliche GrĂŒĂŸe
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 15. November 2012 08:45

Liebe Muckel,

das tut mir wirklich leid zu lesen..... und, in letzter Zeit höre ich das hĂ€ufiger, das junge Leute irgendwie in sich versinken und den lieben Gott einen schönen Tag sein lassen..... grad bei einem frĂŒheren Freund, dessen Sohn brach das Abi ab und beschloß, zu Hause zu sitzen und am PC zu daddeln - als sein Vater ihm als letzte Konsequenz (alles Reden verlief im Sande) den Strom abdrehte, ging er morgens aus dem Haus zu Oma und kehrte zum Schlafen zurĂŒck. Der Vater ist ratlos..... und findet auch keine Hilfe, derweil man ja als Eltern verpflichtet ist, weiterhin fĂŒr sein Kind zu sorgen.

Ich kann Dir nichts raten, derweil die Massnahmen alle irgendwie im Sande verlaufen. Und Du natĂŒrlich selbst keine Einwirkungsmöglichkeiten hast, die liegen beim Vater und was der tut, kannst Du vielleicht mitentscheiden, aber nicht mittragen?

Ich hab wiederholt darĂŒber nachgedacht, was ich tun wĂŒrde..... und mir fallen nur Lösungen ein, wenn das Kind in meinem Haushalt leben wĂŒrde. Es bekĂ€me kein Bargeld mehr von mir und vermutlich wĂŒrde ich auch an Bekleidung und den notwendigen Dingen sparen, also Flohmarkt - irgendwoher muss das Budget fĂŒr ein Kind, das durchgezogen wird, ja kommen.

Mein Nachbar von oben hat es Ă€hnlich gehalten, seine Tochter hat auch auf die Art, ein, zwei Jahre vertan. Kein Taschengeld, keine finanzielle UnterstĂŒtzung, Klamotten gebraucht zusammen gesucht, nicht mir in Urlaub genommen und schön daheim mit anpacken lassen, immer mit dem Spruch, "wir arbeiten alle und wenn Du meinst, das nicht tun zu mĂŒssen, musst Du hier mit anpacken und Dir Dein Essen verdienen." Harte Zeiten, aber irgendwann suchte sie sich einen Job im Supermarkt, fand das mĂŒhsam verdientes Geld (auch das dauerte lange) und beschloß, dann doch lieber ihre Ausbildung zu machen. Heute arbeitet sie, auch Nachtschicht, im Altersheim. Sie fand es auch blöd, das sie irgendwann nirgends mit gehen konnte, weil sie nicht mal Geld fĂŒr ne Cola hatte. Dazu muss man aber eben auch wirklich konsequent sein können.

Bei dieser Familie haben auch alle mitgemacht, zum Geburtstag gab`s Gutscheine, aus Bekleidungs- oder SchuhhĂ€usern, und vielleicht mal nen Zehner, als Bargeld, alles andere - Sachleistungen. Da war sogar ein Englischkurs bei *kicher*, immerhin, es hat dann doch geholfen. Vielleicht war es auch die Mutter, die da sagte "es ist toll, wenn Du zu Hause bist, ich komme von der Arbeit und das Essen ist fertig..... bleib doch einfach hier." Na ja...... war das Essen am Anfang nicht fertig, das Kind war Ă€ußerst renitent, ist sie mit der jĂŒngeren Schwester auswĂ€rts essen gegangen...... "Du kannst Dir ja ein Brot machen....." also, hier wurde alles mĂŒhsam erarbeitet. das braucht starke Nerven, wir oft hat es oben aber so was von gescheppert......

Ich denke, ich wĂŒrde es Ă€hnlich handhaben oder mich eventuell bei der Jugendhilfe beraten lassen, mal hören, ob die eine Idee haben, die durchfĂŒhrbar ist. Wie ist das mit der Schulpflicht? FĂ€llt sie noch darunter? Dann hĂ€tte man ein Druckmittel das eventuell ziehen könnte, oder ist sie raus? Wenn es Dich tröstet, meine liebe Christiane, von der ich beinahe alles, was ich ĂŒber Erziehung weiß, gelernt habe, sagt immer "tröste Dich, auch das geht vorbei, es ist nur soooo schwer auszuhalten" und zum GlĂŒck hat sie auch in drei Jahren noch alle Möglichkeiten, das ist bei uns ja dann doch ein Vorteil. Wichtig ist, das Ihr ihr ganz deutlich macht "ich liebe Dich, ich mag Dich, aber das was Du tust, werde ich nicht dulden."

Sie ist ja schon sehr demotiviert und in sich zurĂŒck gezogen. Es ist auch so, das man sachlich klar machen kann und darf, "ich glaube Dir nicht mehr, zeig mir, das Du es besser kannst" sie hat Pflichten - also auch solche, die Bewerbungen zu zeigen und vorzulegen.

FĂŒhl Dich gedrĂŒckt, wie ist es denn mit Euch beiden weiter gegangen?

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
Sei zĂ€rtlich mit den Kindern, mitfĂŒhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmĂŒtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Wut, EnttÀuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 15. November 2012 10:45

Guten Morgen liebe Ansa!

Danke fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Antwort. Es tut gut zu sehen, dass man nicht allein ist mit seinen Gedanken und GefĂŒhlen.

Wie ist es mit uns weitergegangen?
Es ist schwierig zu beschreiben .... Sie blockt nach wie vor alles ab, was tiefer geht als ein GesprĂ€ch ĂŒbers Wetter oder sonstige lapidare Dinge. Von daher kann ich ihr eigentlich gar nicht vermitteln, dass mich ihr Verhalten schmerzt. Dazu lĂ€sst sie es gar nicht erst kommen. Sie ist sehr darauf bedacht, GesprĂ€ch auf einer - ich sag mal - seichten Ebene laufen zu lassen und sobald es tiefer geht, zieht sie sich zurĂŒck, beendet das GesprĂ€ch, wechselt das Thema. Mir bleibt da nicht wirklich eine Chance. WĂŒrde ich sie zu einem solchen GesprĂ€ch zwingen, wĂŒrde es von vorn herein nichts bringen, denke ich.

Nun rĂŒckt Weihnachten nĂ€her und in diesem Jahr sind die Kinder an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag bei uns, wĂ€hrend sie an Silvester bei meinem Exmann sind. NĂ€chstes Jahr gehtÂŽs dann umgekehrt. Das halten wir seit Jahren so und es war nie ein Problem.
Aber in diesem Jahr liegt mir Weihnachten ein wenig im Magen, wenn ich daran denke, dass ja auch unsere Älteste hier sein wird. Da sind Spannungen vorprogrammiert - zwischen uns Eltern und ihr, aber auch zwischen den MĂ€dchen. Mir tut es jetzt schon weh, wenn ich daran denke, dass meine Älteste wieder (wie immer eigentlich) versuchen wird, sich in den Mittelpunkt zu stellen und ich alles hinterfrage bzw. gar nicht erst glaube, was sie sagt. Aber das werde ich wohl auf mich zukommen lassen mĂŒssen ....

Ihr Vater hat ihr bereits die Internetverbindung und auch das Fernsehen gekappt. Damit kann sie sich also nicht mehr beschĂ€ftigen. Das Internet finde ich ein wenig fragwĂŒrdig, da ja heute viele Bewerbungen online laufen. Aber wer weiß, ob sie diese Möglichkeit tatsĂ€chlich nutzt?
Ansonsten kauft er nur noch das Nötigste ein und Geld in Form von Taschengeld oder sonstige finanzielle Zuwendungen bekommt sie von ihm schon lÀnger nicht mehr. Die Hilfe im Haushalt verlangt er ihr ab. Allerdings kann ich nicht sagen, wie gut oder das schlecht das klappt.
Auch er zieht sich im Moment ein wenig von ihr zurĂŒck, weil er nicht weiter weiß. Er verbringt sehr viel Zeit bei seiner Liebsten und in seiner Freizeit war er schon immer recht aktiv mit Sport usw. Ich glaube, er braucht diesen Abstand momentan auch, weil er so grenzenlos enttĂ€uscht von ihrem Verhalten, von ihrer LĂŒgerei ist und auch von der Uneinsichtigkeit in ihre Fehler.

Die Idee mit den Gutscheinen finde ich ĂŒbrigens gut. DarĂŒber werde ich mit meinem Exmann mal sprechen. Immerhin stehen Weihnachten und auch ihr Geburtstag fast vor der TĂŒr. Vielleicht wird sie wach, wenn sie sieht, das ihre Geschwister Geschenke zum Auspacken bekommen und sie "nur" UmschlĂ€ge mit Gutscheinen.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe an dich
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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