Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Hier wollen wir zusammen nach L├Âsungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien f├╝r Teenager ergeben

Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 17. Juli 2012 19:31

Hallo ihr Lieben!

Heute Vormittag kam der Anruf, vor dem ich mich schon l├Ąngere Zeit tief in mir gef├╝rchtet habe.

Einige von euch wissen sicher noch um die Problematik mit unserer Ältesten. Für alle anderen fasse ich (ich hoffe kurz) noch mal zusammen.
Seit 3 Jahren lebt sie nun auf ihren Wunsch hin bei Papa. Mittlerweile ist sie 19 Jahre alt, damit vollj├Ąhrig. Nach dem Abschluss der Realschule entschied sie sich f├╝r ein Berufskolleg in K├Âln. Dort wurde sie auch angenommen. Prima - dachten wir - sie wei├č, was sie m├Âchte und wie es weitergehen soll f├╝r sie.
Dann - Anfang des vergangenen Jahres - kam die Geschichte mit dem angeblichen sexuellen ├ťbergriff. Die Geschichte kam auf, weil mein Exmann herausfand, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Wochen nicht in der Schule war. Mein Exmann ist mit ihr nicht nur zur Polizei gegangen und hat Anzeige erstattet, sondern er hat sie auch durch die anschlie├čende Therapie begleitet. Ich habe diese Geschichte ja von Anfang nicht wirklich geglaubt, weil mir zu vieles daran nicht stimmig war. Aber es war nur ein Bauchgef├╝hl von mir. In den folgenden Monaten ging sie nicht zur Schule, was wir aber alle wussten. Sie entschloss sich, nach den Sommerferien wieder in die Schule zu gehen.
Niemand von uns bekam ihr Halbjahreszeugnis im letzten Februar zu sehen. Sie weigerte sich und begr├╝ndete das damit, dass sie ja vollj├Ąhrig sei und daher nicht mehr verpflichtet, uns Eltern ihr Zeugnis zu zeigen.
Nun bekam mein Exmann vor ein paar Wochen einen Brief der Familienkasse, in welchem er aufgefordert wurde, f├╝r das jetzt vergangene Schuljahr nachzuweisen, dass unsere Tochter die Schule besucht hat. Zu diesem Zwecke hatte man dem Schreiben ein Formular beigef├╝gt, welches die Schule bitte ausf├╝llen solle. Mein Exmann gab dieses Formular also unserer Tochter, damit sie es im Schulsekreteriat abgeben und ausf├╝llen lassen soll. Ein paar Tage sp├Ąter erz├Ąhlt sie ihm, sie habe das Formular wegwerfen m├╝ssen, da ihr Mitsch├╝ler Limonade in den Rucksack gekippt h├Ątten. Meinem Exmann kam das seltsam vor, da der Rucksack v├Âllig normal aussah. Er fuhr selbst in die Schule und fragte nach einer Schulbescheinigung, bekam aber die Antwort, dass m├╝sse unsere Tochter selbst regeln, da sie vollj├Ąhrig sei.
Letzte Woche Montag gibt unsere Tochter meinem Exmann eine Schulbescheinigung und das Zeugnis. Beide kamen meinem Exmann komisch vor, da das Papier zu d├╝nn war und er den Eindruck hatte, beides sei auf einem alten Drucker ausgedruckt worden. Das Zeugnis nahm unsere Tochter wieder an sich.
Mein Exmann ist dann mit der Schulbescheinigung noch mal in die Schule gefahren und hat dort gefragt, ob die Bescheinigungen, die man dort ausstellen w├╝rden, so aussehen w├╝rde, wie die, die er hatte. Dies wurde verneint und ihm wurde ein Formular gezeigt, wie es die Schule ausstellt.
Gestern Abend nun hat mein Exmann unsere Tochter zur Rede gestellt und ja, sie hat sowohl die Schulbescheinigung, als auch das Zeugnis gef├Ąlscht. Heraus kam au├čerdem, dass sie seit Monaten nicht mehr zur Schule geht und anscheinend dort auch nicht mehr angemeldet ist.
Immer wieder hat sie uns erz├Ąhlt, sie w├╝rde regelm├Ą├čig zur Schule gehen und wir m├╝ssten uns keine Sorgen machen und nun das. Nicht nur, dass sie zwei Urkunden gef├Ąlscht hat, nein - sie hat auch noch von ihrem Vater und ihrer Oma Geld geben lassen f├╝r Fahrkarten, die sie ja gar nicht brauchte.

├ťber Monate hinweg hat sie uns alle belogen und betrogen, f├Ąlscht Urkunden, nimmt Geld an, welches ihr nicht zusteht und auf die Frage meines Exmannes, wie sie dazu k├Ąme, sich so zu verhalten, sagte sie ihm, das sei ihr leicht gefallen, da wir ihr alle (ich zitiere) sche..... egal seien.

Nun frage ich mich die ganze Zeit schon, wie ich darauf reagieren soll, ob ich ├╝berhaupt reagieren soll und wie ich f├╝r mich damit umgehen soll.

Nachdenkliche Gr├╝├če
Muckel

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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 17. Juli 2012 19:55

Oha Muckelmaus,

das haut mich aber doch um.....

Als erstes, weil, damit kenne ich mich aus, unterhaltspflichtige Kinder haben auch Pflichten und eine davon ist, einer Ausbildung z├╝gig nachzugehen und die damit verbundenen Zeugnisse darzulegen. Eltern d├╝rfen n├Ąmlich ihre Unterhaltszahlungen bei Zuwiederhandlung einstellen. Okay, darum m├╝sste man sich vermutlich streiten, eventuell auch vor Gericht - aber die M├Âglichkeiten existieren.

Wer zahlt ihr denn was wie? Du? Oder Ihr gemeinsam, oder nur ihr Vater?

Und, was tut sie in der Zwischenzeit? Oder, was hat sie getan?

Am Ende bedeutet das ja auch, dass das Kindergeld zur├╝ck gezahlt werden muss und das ist, auf`s Jahr gerechnet ne Menge..... da w├╝rde ich sie schon in die Pflicht nehmen.

Und, es gilt heraus zu finden, was mit ihr los ist. Das ihr ihr "sch...egal" seid? Vermag ich so nicht ganz zu glauben, das kann auch im Streit mit ihrem Vater gefallen sein, in einer emotional hochgeladenen Situation.

Aber, ich rette mich mal zu Dreikurs, der da sagt "nimm Dein Kind ernst in allem was es tut." Okay, was w├Ąre da logisch? Wenn ihr ihr egal seid? Logisch w├Ąre, ihr deutlich zu signalisieren, das sie Dir/Euch nicht egal ist, das nie sein wird - das Ihr das nicht wollt, aber, wenn sie darauf besteht, w├╝rdet Ihr ihr helfen und Euch zur├╝ck ziehen. Sie muss lernen, das sie diese Dinge f├╝r sich tut, nicht f├╝r Euch. Mir scheint, das hat sie so nicht verstanden? Wei├čt Du, wie ihre Pl├Ąne aussehen?

Ansonsten w├╝rde ich die Reissleine ziehen und sie finanziell stoppen, bei mir g├Ąbe es nur noch ein ausreichendes Taschengeld und ansonsten nix mehr, bis die Dinge beglichen sind. Mein Mittelchen hat mal angefragt, was ich tun w├╝rde, wenn sie ein Jahr chillen w├╝rde und ich hab gesagt, dann g├Ąbe es keinen Unterhalt von uns, Du darfst chillen, aber das musst Du Dir selbst finanzieren. Sie wei├č um die Pflicht, z├╝gig ihrer Ausbildung nachzugehen und hat auch erlebt, das wir, als sie sitzen blieb, kein Aufhebens davon gmacht haben und gesagt haben, "okay, machs n├Ąchstes Mal besser, einmal daneben liegen, darf auch sein." Notfalls ├╝berlegen ob es unter ihren Besitzt├╝mern etwas gibt, das man verkaufen k├Ânnte? Um die Schulden zu begleichen?

Und, ich w├╝rde ihr sagen, das ich ihr soo gern vertrauen w├╝rde, das aber nun nicht mehr kann und dabei darauf achten, das ich einen Punkt finde, an dem das wieder m├Âglich ist. Sie soll in keinem Fall lernen, das die Reaktionen endlich sind und das alles nie mehr gut werden wird. Aber erst mal ist Stress angesagt. Nat├╝rlich nicht jedes Mal sagen das man ihr nicht glaubt, aber misstrauisch sein, das ist okay.

Und ich glaube, ich w├Ąre mir so unsicher, das ich in unsere Beratungsstelle gehen w├╝rde und dort um Hilfe b├Ąte, wenigstens f├╝r mich selbst, wenn sie bereit ist, mitzukommen, umso besser....

Menno, wie geht es Dir damit? Ich glaub ich h├Ątte den ganzen Tag geheult? Und, was sagt Dein Exmann dazu?

F├╝hl Dich gedr├╝ckt
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 17. Juli 2012 20:34

Liebe Ansa!

Ehrlich gesagt, wei├č ich seit dem Telefonat heute fr├╝h gar nicht, wie ich mich damit f├╝hle. Ich schwanke zwischen Wut, Entt├Ąuschung, der Frage, wie viel Schuld ich daran habe und und und. Eigentlich konnte ich noch gar keinen klaren Gedanken fassen und habe das Gef├╝hl, neben mir selbst zu stehen. Mir scheint, dass ich dies alles erst einmal f├╝r mich ein wenig verdauen und verarbeiten muss, nur finde ich gerade noch keinen Weg dahin.

Unterhalt - ja, das ist so eine Sache. Dadurch, dass ich recht wenig verdiene, brauche ich ihr keinen Unterhalt zahlen und mein Exmann leistet seinen Teil ja in Naturalunterhalt an sie. Von ihm gabs 90 Euro Taschengeld, das Geld f├╝r die Monatskarte f├╝r Bahn und Bus und - aber da bin ich nicht ganz sicher - entweder noch Klamottengeld oder aber die Handyrechnung. Nat├╝rlich zahlt er die Miete, die Lebensmittel usw.
Das Taschengeld und alles weitere hat er ihr gestern Abend wohl komplett gestrichen und ihr gesagt, er habe keine Lust darauf, sie weiterhin durchzuf├╝ttern, w├Ąhrend sie daheim sitzt und gar nichts tut. Bis her geht sie einen Abend in der Woche in einer benachbarten Tanzschule kellnern. Aber das ist auch schon alles, was sie in den letzten Monaten getan hat.
Au├čerdem hat mein Exmann ihr wohl noch gesagt, dass er ab September monatliches Kostgeld von ihr erwartet und - falls er das Kindergeld tats├Ąchlich zur├╝ck zahlen muss - will er diese Summe auf Heller und Pfennig von ihr wieder sehen. Darauf hin hat sie ihm wohl gesagt, von ihm sehe sie nichts, wenn er Geld wolle, solle er zusehen, woher er es bekommt.

Er wollte ihr auch den gemeinsamen Urlaub mit Schwester, seiner Lebensgef├Ąhrtin und der Oma in Portugal streichen, aber dagegen hat sich die Oma ausgesprochen, die im ├╝brigen auch schon ├╝ber die ganze Geschichte informiert ist. Schlie├člich ist sie ja genau so betroffen, wie mein Exmann auch. Sie hat ihm gesagt, dass Konsequenzen aus dem Verhalten unserer Tochter gezogen werden m├╝ssten, aber er zusehen solle, dass er da nicht allzu hart sei, damit er das Band zwischen sich und unserer ├ältesten nicht komplett kappen w├╝rde. Sie meinte, sonst w├╝rden wir Eltern Gefahr laufen, dass uns unser Kind vielleicht komplett abrutscht. Also hat mein Exmann unser Tochter gesagt, dass sie mit in den Urlaub d├╝rfe, habe sie nur der Oma zu verdanken, er h├Ątte sie lieber daheim gelassen, um sie f├╝r ihr Verhalten nicht auch noch zu belohnen.

Ich denke ebenfalls, dass dieses "sche....egal" in ihrer Wut kam und es innerlich in ihr ganz, ganz anders aussieht. Es wird eher so sein, dass sie zum einen w├╝tend ist auf Papa, zum anderen wird sie Angst haben, ob der Papa seine Konsequenzen wahr macht und wie es dann f├╝r sie weiter geht. Denn es scheint von ihrer Seite aus keinerlei Pl├Ąne zu geben, in Richtung Schule, Ausbildung usw. Au├čerdem wird sie sicher dar├╝ber nachdenken, wie sie mit m├Âglichst heiler Haut aus der ganzen Geschichte heraus kommt.

Ihr wird bewusst sein, dass mein Exmann mit mir gesprochen hat. Daher wird sie sich sicher auch in der n├Ąchsten Zeit nicht bei uns melden und ich wei├č im Moment nicht, ob es richtig ist, wenn ich mich bei ihr melde. Ich wei├č aber nicht, ob ihr bewusst ist, dass der Papa mit Oma gesprochen hat und dass er vor hat, auch dem Rest der Familie von ihrem Tun zu berichten. Dazu muss man wissen, dass unsere ├älteste ja nicht nur uns so einiges unwahre erz├Ąhlt hat, sondern auch ihrer Patentante und mehreren anderen Familienmitgliedern auch.
Ich selbst habe vor kurzem noch mit ihrer Patentante und auch einer anderen Tante gesprochen und beide versicherten mir, dass doch bei unserer Tochter alles prima w├Ąre und das sie stabil sei. Sp├Ątestens seit heute wissen wir ja, dass es nicht so ist.

Ach ich wei├č auch nicht ... mir geht so vieles durch den Kopf ...

Muckel

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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 18. Juli 2012 06:20

Liebe Muckel,

lass Dich mal dr├╝cken, mir ginge es ├Ąhnlich. Ich w├╝rde mich vermutlich total im Kreis drehen und mir lauter wilde Fragen stellen..... und auf die Frage nach Deiner Schuld? Ich glaube, Du hast keine..... sie ist 19 - sie will erwachsen sein - und sie hat sich, v├Âllig freiwillig, im Bewusstsein Unrecht zu tun, auch dazu entschieden.

Vielleicht wart Ihr all die Jahre zu nachl├Ąssig oder zu sanft mit ihr, das ist m├Âglich, aber das ist kein Grund so zu handeln. Du hast schon recht, das ist kein "normaler kleiner" Ladendiebstahl, den Kinder und Jugendliche in der Zeit des Erwachsenwerdens so begehen. Urkundenf├Ąkschung ist schon happig, m├Âglicherweise hat das auch durch die Schule Konsequenzen?

Okay, dann hat Dein Exmann schon Konsequenzen aufgezeigt und die sind in Ordnung. Kinder m├╝ssen sp├╝ren, das jetzt echt eine Grenze erreicht ist, die man besser nicht testet. Und, er soll sich ├╝berlegen, wie er handeln wird, wenn sie ihren Beitrag verweigert.

Hat sie die ganze Zeit daheim herum gesessen und fern gesehen? Oder zieht sie mit Freunden durch die Gegend, wei├čt Du, wie sie ihre Tage verbringt, wenn sie angeblich in der Schule ist? Das meinte ich mit "was tut sie?" Ist sie noch schulpflichtig? Dann w├╝rde ich sie glatt n├Âtigen, wieder was zu machen, sonst bekommt ihr ├ärger?

Und all die anderen Folgen sind mehr als richtig, ein Lob an die Oma, sie ist klug..... im Grunde braucht sie jetzt Eure Hilfe, aber nicht ohne Gegenleistung. Vielleicht war das ganze ein Hilferuf? Vielleicht auch nicht, das ist etwas, das Du entscheiden k├Ânntest, derweil Du sie kennst. Und wenn das Umfeld auf sie w├╝tend ist, zu Recht.... solange die Folgen angemessen sind, ist das v├Âllig okay.

Was kannst Du tun? Ich glaube, das Schlimmste in solchen Situationen ist f├╝r das betroffene Kind, ihm gar keinen Vorwurf zumachen, aber deutlich zu sagen "Ich bin so entt├Ąuscht von Dir. Nie hab ich mir vorgestellt, das Du so etwas tun w├╝rdest. Ehrlich, das hab ich Dir nicht beigebracht." Und dabei w├╝rde ich es belassen..... keine Vorw├╝rfe, sondern klare Ich Botschaften und sie darf sp├╝ren, das Du traurig bis. Aber wichtig ist auch, das sie wei├č, das Du sie liebst. Vielleicht schreibst Du ihr ein sms, einfach kurz, So was in der Art "ich bin f├╝r Dich da und hab Dich lieb...."

Meine Tochter hat mit 13 mal in Gruppe gro├čen Unfug angestellt, heute sagt sie, "DAS war das Schlimmst an der Sache, Dich entt├Ąuscht zu haben, also, so was will ich nie mehr f├╝hlen....." Und mehr, als das ich nicht w├╝sste, was ich jetzt machen soll, weil ich wei├č, das sie wei├č, das geh├Ârt sich nicht und dasich total entt├Ąuscht bin," hab ich dazu nie gesagt.

Schau mal was passiert, wir sind f├╝r Dich da
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 18. Juli 2012 07:36

Guten Morgen liebe Ansa!

Wir waren sicherlich zu nachl├Ąssig oder zu sanft mit ihr - da kann ich dir wohl nur recht geben.
Schlie├člich ahnten wir beide - mein Exmann und auch ich - schon l├Ąnger, dass irgendetwas im Busch ist. Aber weder er noch ich haben sie darauf angesprochen, all die Monate nicht. Es waren halt immer nur Vermutungen, aber nie etwas wirklich greifbares. Er sagte gestern noch zu mir, dass er anscheinend viel zu lange sch├╝tzend vor ihr gestanden habe. Ganz Unrecht hat er damit nicht, denn jedesmal, wenn ich ihn auf irgendeine Ungereimtheit oder eine seltsame Situation ansprach, hat er sie auch vor mir verteidigt. Aber auch ich habe ja ihr gegen├╝ber geschwiegen, weil ich Angst hatte, dass die - ja eh nur sehr d├╝nne - Verbindung zwischen ihr und mir komplett rei├čt. Vielleicht war das mein Fehler - ich wei├č es nicht.

Was die Urkundenf├Ąlschung angeht, so hat sie noch Gl├╝ck im Ungl├╝ck. Die Schule sagte meinem Exmann, man w├╝rde dort jetzt so tun, als habe man diese "Schulbescheinigung" niemals gesehen.

Tja - was hat unsere Tochter den ganzen Tag gemacht? Sie war jedenfalls weder in der Schule, noch scheint sie sich aktiv um einen Ausbildungsplatz bem├╝ht zu haben. So wie es aussieht, hat sie den ganzen Tag daheim verbracht, mit Fernsehen, Computer, lesen.

Immer deutlicher sp├╝re ich in mir, dass mich die Tatsache, dass sie ihre Oma - diese liebevolle, herzenswarme und g├╝tige Frau - hintergangen und belogen hat, eigentlich mehr schockiert, als die Urkundenf├Ąlschung und die L├╝gerei uns Eltern gegen├╝ber.
Wahrscheinlich war sie in ihrem L├╝gen-Kartenhaus mittlerweile so gefangen, dass sie selbst vor der Oma keinen Halt mehr machen konnte oder wollte.
Ich denke aber auch, dass die Urkundenf├Ąlschung keinen kriminellen Hintergrund im eigentlich Sinne hat, sondern aus der Verzweiflung heraus entstand, als der Brief der Familienkasse kam, mit der Aufforderung den Schulbesuch nachzuweisen. Da wurde ihr die Luft d├╝nn und in ihrer Angst, alles k├Ąme heraus, fand sie diesen Weg.

Ich habe nat├╝rlich gestern lange mit meinem Mann ├╝ber all die Geschehnisse gesprochen. Auch er war schockiert ├╝ber das ganze Ausma├č. Er sagte aber auch, dass er ein wenig erleichtert und froh sei, denn jetzt habe sie die Chance erhalten, ihr Verhalten zu ├╝berdenken und zu ver├Ąndern.

Mal sehen, wie der heutige Tag wird, meine Nacht war jedenfalls sehr unruhig.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 18. Juli 2012 13:20

Liebe Maxi1

Danke f├╝r dein klares Statement, was ich absolut verstehen und nachvollziehen kann.

Wenn ich ehrlich bin, dann bewundere ich meinen Exmann ein St├╝ck weit daf├╝r, dass er unsere Tochter nicht raus geworfen, sondern da anscheinend irgendwie noch ein St├╝ck weit Ruhe bewahrt hat. Ich kann nicht sagen, wie ich reagiert h├Ątte an seiner Stelle.

Was ich aber nicht glaube ist, dass kriminelle Energie hinter dem Tun unserer Tochter steckt. Ich glaube eher, dass ihr die Luft d├╝nn wurde in ihrem L├╝gengebilde und sie daher das erste tat, das ihr einfiel, ohne dar├╝ber nachzudenken, dass sie da gerade eine Urkundenf├Ąlschung begeht. Dies war ihr in dem Moment sicherlich nicht bewusst. Ihr war auch nicht klar, dass sie ihren Papa in einen riesigen Schlamassel geritten h├Ątte, w├Ąre diese "Schulbescheinigung" tats├Ąchlich zur Familienkasse gelangt und man h├Ątte dort misstrauisch reagiert.
Sie war einzig und allein damit besch├Ąftigt, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. An weiterreichende Folgen hat sie nicht gedacht.
Das alles soll keine Entschuldigung meinerseits f├╝r ihr Verhalten sein, lediglich der Versuch einer Erkl├Ąrung und zu meinem besseren Verst├Ąndnis der ganzen Situation.

Es geht im Moment auch nicht mehr darum, ihr die Steine weg zu r├Ąumen, die sie sich selbst durch ihre L├╝gen in den Weg gelegt hat. Im Moment geht es nur darum, sie die Konsequenzen ihres Handels sp├╝ren zu lassen und f├╝r meinen Exmann den evtl. Schaden abzumildern, der ja mit der Familienkasse durchaus jetzt entstehen kann. Immerhin kann er nicht nachweisen, dass unsere Tochter im letzten Jahr in der Schule war.

Tja - der Urlaub ... der liegt mir auch ein wenig im Magen. Einerseits hat sie es ganz sicher nicht verdient, dass sie mit darf. Andererseits verbringt sie so 2 Wochen mit den Menschen auf engstem Raum, denen sie am meisten weh getan hat - ihrem Papa und ihrer Oma. Sie ist diejenige, die ihnen in die Augen schauen muss, die Entt├Ąuschung darin sehen muss und sie muss f├╝r sich einen Weg finden, damit umzugehen. Vielleicht ist es aus diesem Blickwinkel sogar ein wenig heilsam f├╝r sie, dass sie beginnt umzudenken.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 18. Juli 2012 13:44

Moin Ihr Lieben,

@ Maxi, das sind Gedanken, die ich total gut nachvollziehen kann und dann kommt die heutige Gesetzeslage hinzu. Man kann sein Kind eben nicht so einfach auf die Strasse setzen - fr├╝her ging das mal, aber heute ist es keine L├Âsung.

Was w├╝rde passieren? Sie st├Ąnde auf der Stra├če - ginge zur Arge, die erz├Ąhlen ihr als Erstes, das sie erst ein Anrecht auf eine eigene Wohnung hat, wenn sie 26 ist, bis dahin m├╝ssen Kinder von ALGII Empf├Ąngern zu Hause bleiben, es sei denn, die Differenzen sind dauerhaft zerr├╝ttet und unzumutbar.

Ich hab das ja bei meiner Ziehtochter so gemacht, ihre Mutter ist Messi, die Wohnverh├Ąltnisse zwar sauber, aber voll.... Badewanne zum duschen nicht nutzbar, weil bis unter die Decke als Lagerraum benutzt. Im Kinderzimmer an freiem Platz vorhanden, eine Fl├Ąche von der Gr├Â├če eines Handtuches. Und trotzdem hat die Arge gesagt "n├ - kein Grund!" Also h├Ątte man klagen m├╝ssen und bis dahin w├Ąre sie wo? Wohnheim f├╝r Obdachlose? Das will ja aber auch niemand. Weil irgendwie klar ist, das sie das eher runter zieht als das es ihr nutzt. Und bei allem ist ja ein Erziehungsgedanke dabei, noch. Meine Ziehtochter ist dann bei uns untergekommen, hat Baf├Âg beantragt und war in der Lage sich eine kleine Wohung zu nehmen, als das Baf├Âg auslief beantragte sie Hartz IV und hat es bekommen, Weil sie die Wohung schon hatte - bestehende Wohnverh├Ąltnisse sind dann okay. Neue nicht.

Also, so einfach ist das eben leider nicht, deshalb denke ich an solche Vorschl├Ąge auch eher nicht, weil sie meistens undurchf├╝hrbar sind. Kinder nach dem 18. Lebensjahr stehen auch mehr oder weniger relativ hilflos da..... unter 18 greift sofort das JuA, dar├╝ber wird es schwer.

das nur nebenbei
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 18. Juli 2012 14:32

Liebe Muckel,

und doch, da hat Maxi recht, sie hat sich, ganz allein und freiwillig f├╝r diesen Weg entschieden, das sie die Konsequenzen zu tragen hat, ist nur folgerichtig. Es mag gut sein, das sie durch diese Katastrophe "wach" wird, es bleibt einfach zu hoffen.

Und, ich h├Ątte sie nicht mitgenommen, in den Urlaub, nach dem 1. Schock, obwohl der Gedanke, mit den Menschen zusammen zu sein, die ihr so nahe sind, durchaus etwas heilsames hat. ,) Aber, und vielleicht kannst Du das auch mit ihrem Vater besprechen, ich w├╝rde ihr sehr deutlich machen, das ich jetzt nochmal helfe, weil sie mir so wichtig ist, das ich aber, w├╝rde sie sich nicht zusammen rei├čen und grade laufen (ich schreib das jetzt mal so) ich ihr meine Unterst├╝tzung entziehen w├╝rde und sie tats├Ąchlich darauf hinweisen, das ich sie dann auf die Stra├če setzt.....

├ťberreagieren und wilde Worte in der Wut finden, das kenne ich von meinem Mittelchen auch, sie vergreift sich dann in Ton und Wort und Sprache - und ich wei├č eigentlich genau, das ich sie besser ein bisschen r├Ąuchern lasse um dann sp├Ąter ein gemeinsames Gespr├Ąch zu f├╝hren, in Ruhe. Unter m├Âglicher Einsicht, denn die braucht auch ihre Zeit. Das darf man nicht ├╝berbewerten, aber doch thematisieren.

Ich frag meine Kinder immer gern selbst "okay, also, was glaubst Du k├Ânntest Du tun, um das wieder grade zu ziehen." Es ist sehr erstaunlich, was da f├╝r Antworten kommen, ganz oft sind sie, na ja, vielleicht unvorhersehbar, aber immer m├Âglich. Sie einzubeziehen l├Ąsst sie wachsen und, eigens vorgeschlagene Wiedergutmachung ist ein ganz anderer Weg zu einem besseren Miteinander.

Da meine Gro├če ja ab September ein Jahr eine Bibelschule besuchen wird, habe ich das Kindergeldthema grad selbst. Die Bibelschule ist nicht f├Ârderw├╝rdig, gef├Ârdert wird nur, eine gradlinige Ausbildung, d. h. ginge sie jetzt ins Studium, passend zur Ausbildung, bek├Ąmen wir Kindergeld, f├╝r die Bibelschule nicht. So hat sie, um uns zu einer Zusagen zu bewegen von sich aus angeboten, auf die H├Âhe des Kinderrgeldes zu verzichten, das fand ich schon fair. Aber ich wei├č eben auch, das Kinder die nichts tun, kein Kindergeld bekommen und mit R├╝ckzahlungsforderungen sind die ├ämter fix..... sie bek├Ąme Kindergeld, w├Ąre sie Arbeitslos gemeldet (vielleicht sollte sie das schleunigst tun um den Schaden zu begrenzen) und dann ist ja auch noch die Frage, ist sie noch schulpflichtig oder nicht?

F├╝hl Dich einfach gedr├╝ckt, das ist so schwer.... und ich w├╝nsche Euch eine gute L├Âsung.
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 18. Juli 2012 14:51

Ihr Lieben!

Im Moment scheint es nicht so zu sein, als w├Ąre mein Exmann nicht gewillt, ihr irgendwie aus dieser Misere zu helfen. Dazu scheint er mir zu w├╝tend, zu entt├Ąuscht. Ich sehe f├╝r mich selbst wenig Spielraum, da die Verbindung zwischen ihr und mir ja eh nur sehr, sehr d├╝nn ist und den finanziellen Schlamassel, der da wohl noch kommt, kann ich nicht aufhalten.

Nat├╝rlich kann ich ihr deutlich machen, dass ich ebenfalls sehr entt├Ąuscht von ihr bin und ja, ich kann ihr auch sagen, dass ich ihr eine T├╝r offen halte und sie begleite, so lange sie versucht, den Schaden wieder gut zu machen, wieder Vertrauen zu schaffen. Aber so wie ich unsere Tochter kenne wird sie diese Hilfe ausschlagen, weil sie uns alle als ihre Gegner sieht und so gar nicht einsehen will/kann, dass sie diejenige war, die all diesen ├ärger verursacht hat.

Maxi und Ansa - ihr habt beide recht, wenn ihr sagt, dass sie sich ganz allein und freiwillig zu diesem Weg entschlossen hat. Niemand hat ihr da die Pistole auf die Brust gesetzt. Und doch glaube ich, dass sie ├╝ber die Folgen nicht nachgedacht hat im festen Glauben daran, dass es nicht auffallen wird.

Momentan f├╝hle ich mich wie ein Tiger im K├Ąfig, der st├Ąndig im Kreis rennt und doch keinen Weg nach drau├čen findet.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 18. Juli 2012 15:09

Liebe Muckelmaus,

und genau das muss sie aushalten. Es stehen viele Menschen, sogar vor Gericht, und beteuern, das sie das, was da passiert ist, nicht gewollt haben. Unwissenheit sch├╝tzt vor Strafe nicht, Unachtsamkeit oder Un├╝berlegtheit auch nicht. Und, es ist eine Chance erwachsen zu werden, indem sie nun daf├╝r grade stehen muss.

Da kann ich Deinem Exmann nur w├╝nschen, das er nicht in finanzielle Not ger├Ąt, wenn er das Kindergeld zur├╝ck zahlen muss...... aber die Folgen, die darf sie sp├╝ren, auch durchaus durch Einsparungen. Zumindest w├Ąre das f├╝r mich eine M├Âglichkeit, nicht die Markenjeans sondern eine Secondhand und die Differenz in die Widergutmachungskasse..... alt genug, um zu verstehen, was da passiert ist, ist sie allemal. Das k├Ânnte man mit vielen Dingen mache, aber es d├╝rfte keine Pfennigfuchserei werden.

Und, einsehen, das sie das verursacht hat, das muss sie.... vermutlich laufen solche Phasen eben auch in Prozessen ab, da w├╝rde ich auch nicht nachgeben, sie hat`s verursacht und sie macht`s wieder gut. Notfalls durch jobben..... wenn nicht, soll sie eine L├Âsung suchen bzw. finden. Und solange sie Euch als Gegner sieht - das k├Ânnte, nach allem was Du ├╝ber sie geschrieben hast, vermutlich problematisch werden, sind die M├Âglichkeiten einer Einigung auch gering. Helfen w├╝rde da eine gleichaltrige Freundin, die ihr den Kopf w├Ąscht.... jemand, dem sie wirklich vertraut. Oder jemand ganz neutrales?

Und die Gef├╝hle ihres Vaters halte ich f├╝r ganz gesund..... und richtig.

Liebe Gr├╝├če
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon miau 18. Juli 2012 18:06

Hallo Muckel,

bei euch ist ja ne Menge los. :(

Ich frage mich gerade: Warum? Warum waren solche Schritte n├Âtig? Was steckt dahinter, dass die ├Ąlteste auf die schiefe Bahn geraten ist? Es muss einen guten Grund geben, dass sie ihren Weg abgebrochen hat. Und sich dann noch gen├Âtigt sah (weil in die Enge getrieben) Papiere zu f├Ąlschen. Sowas tut man aus einer inneren Not heraus und nicht weil man gerne mal betr├╝gen (ausprobieren) will. Dazu ist sie zu alt.

Den Urlaub, gut den mag sie nicht verdient haben, was auf die Sichtweise ankommt. Ein Tapetenwechsel ist immer gut, mal fern der Heimat das Ganze neu zu betrachten. Mit ein bisschen Abstand zum Alltag kann man sich wieder einander ann├Ąhern, diese Chance sehe ich.

Wie du deine Mutter-Tochter-Beziehung beschreibst, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich meine hier den Zustand, dass man zu viele Zugest├Ąndnisse macht, damit die Beziehung nicht ganz auseinanderbricht. Das war damals auch der Grund, warum sie genau diesen Mann, der heute der Vater ihres Sohnes ist, gefunden hat und mit ihm eine Familie gegr├╝ndet hat. Was mir gerade auff├Ąllt: es mischen zu viele Verwandte mit, nicht nur die Eltern. Wie kommt sich so ein junger Mensch vor, ├╝ber den alle m├Âglichen Verwandten "Bescheid" wissen? Und zuvor, als sie mal jemanden von ihnen gebraucht h├Ątte, keiner da war???

Ich kenne die Gr├╝nde nicht und wenn sie befragt w├╝rde, wird sie sie auch nicht nennen k├Ânnen. Weil sie zu lange zur├╝ck liegen und weil die ganze Situation zu verfahren ist. Ich wei├č nur, was ich heute tun w├╝rde: Rollenspiele durchf├╝hren, denn da wird auch die eigenen Position beleuchtet und vielleicht hat ja die Misere sogar mehr mit der Schule selbst zu tun???

viele Gr├╝├če Micha
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 18. Juli 2012 20:27

Nabend ihr Lieben alle!

Zun├Ąchst mal Danke f├╝r euren Zuspruch, euer Zuh├Âren, eure Geduld und eure Gedanken. Das alles hilft mir gerade sehr, meine Gef├╝hle und Gedanken zu sortieren und ein wenig zu lenken.

@ miau
Ja, bei uns ist im Moment eine Menge los. Da gebe ich dir recht.
Wir - mein Exmann und ich - sind uns dar├╝ber einig, dass es einen Grund gibt, der sie zu solchen Schritten zwang. Wir sind uns sicher, dass sie das alles - die monatelange L├╝gerei, die Urkundenf├Ąlschung und auch das Erschleichen von Geld - nicht einfach aus Lust und Laune getan hat, weil es gerade so praktisch und lustig erschien. Allerdings kennen wir (bisher) den wahren Grund nicht und ob sie uns Eltern genau den nennen w├╝rde, sofern sie es denn selbst wei├č, ist mehr als nur fraglich.
Ich sehe im Moment meine Tochter als dringend hilfe- und therapiebed├╝rftig an. Wir Eltern k├Ânnen ihr aber die Hilfestellung, die sie jetzt braucht, kaum geben, da wir ihr durch diese lange L├╝gerei, nicht mehr so vertrauen k├Ânnen, wie wir es m├╝ssten. Sie selbst sieht uns jetzt ganz sicher auch nicht als die richtigen Ansprechpartner an und so bleibt nur zu hoffen, dass wir ihr den Weg zu einem Fachmann aufzeigen k├Ânnen.
Wir verurteilen unsere Tochter nicht. Wir sind - und ich denke, dass steht uns (vor allem aber meinem Exmann) zu - geschockt, verwirrt, entt├Ąuscht und w├╝tend. Ja, wir haben geahnt, dass irgendwas in Schieflage ist und man kann uns Eltern auch vorwerfen, nicht fr├╝her eingegriffen zu haben. Aber wie h├Ątten wir eingreifen sollen, wenn wir nur eine Ahnung haben? Wir h├Ątten auch v├Âllig falsch liegen k├Ânnen. Oder aber, sie h├Ątte uns weitere L├╝gen aufgetischt. Nie h├Ątten wir uns sicher sein k├Ânnen, dass wir zum Kern der Sache durchgedrungen sind. Kannst du dir das Gef├╝hl vorstellen, das entsteht, wenn dein eigenes Kind dir etwas erz├Ąhlt und du sofort das Gef├╝hl hast, alles in Frage zu stellen? Du suchst f├Ârmlich nach dem Widerspruch in dem, was sie sagt. Das tut so unendlich weh. Aber du kannst ihr nicht nachweisen, dass sie gelogen hat. Gleichzeitig wei├čt du aber auch nicht, dass es der Wahrheit entspricht.

Du fragst danach, warum so viele Verwandte in diese Geschichte involviert werden. Weil sie auch diese belogen hat. Sie hat niemandem geschont - ihre Oma nicht, ihre Patentante nicht, andere Tanten oder Onkel nicht. Und ich denke, sie alle haben ein Recht darauf zu wissen, dass sie belogen wurden.
Gleichzeitig wei├č ich aber auch, dass es niemanden in der Familie geben wird, der sie daf├╝r hassen oder verachten wird. Nat├╝rlich wird es auch da Entt├Ąuschungen geben. Aber es werden auch helfende H├Ąnde da sein.
Du fragst, warum niemand f├╝r sie da war, als sie jemanden gebraucht h├Ątte. Immer war jemand f├╝r sie da - egal wer. Es gab gen├╝gend H├Ąnde zum Helfen, Ohren zum Zuh├Âren. Das gilt nicht nur f├╝r uns Eltern, sondern f├╝r alle in der Familie. Aber alle, die sich ihr zugewandt haben, sind belogen worden.
Vor noch nicht mal einem Monat war ich dabei, wie sie ihrer Tante von Schulerlebnissen der vorangegangenen Woche erz├Ąhlte und sie um Rat fragte, den sie auch bekam. Allerdings haben diese Erlebnisse niemals stattgefunden - wie wir jetzt wissen.

@ Ansa
Nat├╝rlich muss sie die Konsequenzen aushalten, auch wenn sie sich keine Gedanken ├╝ber die Folgen ihres Handelns gemacht hat. Nur so hat sie eine wirkliche Chance, daraus zu lernen. Anders sehe ich da keinen Weg.
Sie wird sicherlich rebellieren, sich auflehnen - egal, wie der weitere Weg nun aussieht. Sie wird gegen uns ank├Ąmpfen und alles, was nun passiert als Ungerechtigkeit empfinden.
Ich bin sicher, vor uns allen liegt ein langer, steiniger und schwerer Weg.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Ansa 19. Juli 2012 06:59

Guten Morgen Muckel,

*ups* also, wenn sie noch dazu Geschichten erfindet und um Rat f├╝r ausgedachte Dinge fragt, das ist wirklich ne Spur zu hart. Wei├čt, zu sagen, in der Schule ist alles okay, oder sich Ereignisse auszudenken, da geh├Ârt schon eine Menge Energie und T├Ąuschungspotential dazu.

*seuftz* ich h├Ątte es so gern gesehen, das mein Mittelchen auch zu einem Facjmann geht, selbst ihr Arzt hat sie schon mehrfach ├╝berwiesen, aber sie will nicht.....eher wird sie den Arzt wechseln. Da w├╝nsche ich Euch in jedem Fall mehr Gl├╝ck. Vielleicht ist eine Beratungsstelle aber ein guter Anlaufpunkt f├╝r Euch als Eltern, dort wei├č man Bescheid um M├Âglichkeiten und kann Euch neutral beraten.

Es ist auch verdammt schwer, wenn man so ein Gef├╝hl hat.... daraus zu schlie├čen, das was man Kind mir da erz├Ąhlt, stimmt nicht. Wenn es n├Ąmlich doch stimmt, dann ist das Problem weitaus gr├Â├čer. Bis zu einer Beweislage ist also immer die Unschuldvermutung die richtige Wahl.... das sie jetzt kein Vertrauen mehr hat, erst einmal, das ist wiederum okay und auch damit muss sie umgehen, bis sie sich es wieder verdient hat. Mir scheint, sie hat trotz allem Gl├╝ck mit Euch, weil ihr nach Gr├╝nden sucht und ihr helfen wollt und damit auch zu ihr steht, das macht ihr gut. Wut, ├ärger, Entt├Ąuschung und all das, ist v├Âllig okay und richtig.

Wie geht es denn Dir jetzt, ein bisschen sp├Ąter? Und Deinem Mann, der ja auch so lange f├╝r sie da war?
Ansa
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon miau 19. Juli 2012 10:21

Hallo Muckel,

puuh, deine Wut ist riesengro├č und ... Hilflosigkeit macht sich breit. Neue Bestrafungen f├╝hren zu neuen Entgleisungen. Gerade jetzt braucht sie jemanden (dich) der ihr trotz allem beisteht und ihr signalisiert: ja ich verstehe dich, warum du so gehandelt hast (handeln musstest). Oder: Ich verstehe es nicht, und trotzdem bin ich f├╝r dich da.

Ich lese nur von Verwandten. Was ist mit Freunden? einem Freund?

Stichwort: therapie. Wenn so etwas vorkommt, dann ist die Tochter der Symptomtr├Ąger, aber in Wirklichkeit sind alle Familienmitglieder von dieser Auff├Ąlligkeit betroffen. Die anderen k├Ânnen sich halt mehr anpassen. Wenn Hilfe, dann eine Familientherapie. Jetzt stell dir mal vor: sie geht alleine in Therapie, verliert das Symptom, dann wird es sozusagen befreit und dann ... geht es zum n├Ąchsten ├╝ber. Es findet sich sicher jemand, der dann, wer wei├č wie auch immer, auff├Ąlliges Verhalten zeigt. Das ist ein lauter Hilferuf.

Ich we├ş├č nicht, ob du es schon bemerkt hast, aber ich w├╝rde an die Thematik ganz anders rangehen. Sie muss sich schrecklich alleine (alleingelassen) f├╝hlen, niemanden dazugeh├Ârig, auf sich gestellt, ├╝berfl├╝ssig. Mir geht es um ihre Position, die in den Vordergrund zu stellen, denn dazu ist ja auch das Symptom da.

Was sie zeigt ist ein Extrem. Doch dazu gibt es auch noch ein anderes Extrem: totale Angepasstheit, niemals auffallen, sich ducken. So jemanden gibt es in der Familie auch und dort geh├Ârt eigentlich der Anfang gemacht mit dem "aufr├Ąumen". Wenn es extremes Verhalten gibt, gibt es keine Zwischent├Âne. Ich kenne die Gr├╝nde nicht, warum du dich so rausnimmst und sie so vorsichtig behandeltst. Ich denke, dass sie alt genug ist, dass ihr mal Klartext miteinander redet, nicht ├╝ber die Entgleisungen, sondern ├╝ber eure Beziehung. Auch nicht daheim, sondern irgendwo drau├čen, wo man sich benehmen muss. Du als Mutter und sie als Tochter. Nimmt eine Tochter in dem Alter zu viel vom Papa ger├Ąt sie auf die schiefe Bahn. Sie braucht in erster Linie dich als Mutter, energetisch meine ich. Das ist nicht so. Und auch nicht ├╝ber dritte wie den Vater oder die Oma etc., sondern nur ihr zwei. Ist denn so eine Begegnung nicht m├Âglich? Die Chance ist da, ergreife sie.

viele Gr├╝├če Micha
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Re: Wut, Entt├Ąuschung und einiges mehr

Beitragvon Muckelmaus 19. Juli 2012 11:02

Guten Morgen alle miteinander!

@ miau
Ja, ich bin w├╝tend ├╝ber das, was geschehen ist. Aber viel mehr noch bin ich entt├Ąuscht. Niemand in der Familie, weder wir als Eltern, noch andere Familienmitglieder haben ihr ein solches Verhalten vorgelebt.
Was mich hier ein wenig st├Ârt ist, dass es hei├čt, es sei ein gro├čer Hilferuf ihrerseits. Das mag sein, kann aber auch falsch sein.
Ich habe in den letzten zwei Tagen viel nachgedacht, mich im Kreis gedreht, wieder von vorn begonnen, mir hier und im privaten Umfeld Rat geholt. Gestern Abend noch hatte ich ein Gespr├Ąch mit meinem Exmann.
Als unser Mittelchen von der ganzen Geschichte erfuhr war ihre erste Reaktion folgende: "Meine Schwester braucht keine Hilfe vom Therapeuten. Sie braucht einen Tritt in den Hintern. Die ist einfach nur faul." Hmmmm - das sa├č erst mal bei mir, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Das war nicht mein Mittelchen, das immer Verst├Ąndnis zeigt, hinterfragt, durchleuchtet. F├╝r sie war die Angelegenheit damit erledigt.
Es gab einige Menschen, die mir geraten haben, meinen Exmann davon zu überzeugen, einen Betreuer für unsere Älteste bestellen zu lassen und sie in ein Wohnheim für junge Erwachsene zu geben. Andere raten zur Familientherapie.
Kaum jemand fragt nach uns Eltern. Wie gehen wir mit dem Wissen um? Wie f├╝hlen wir uns damit? Sehen wir einen Punkt, ab dem es schief gelaufen ist? Wie schaffen wir es, das alles zu verarbeiten?
Versteh mich nicht falsch - nat├╝rlich soll alles getan werden, um unsere ├älteste wieder in die Spur zu bringen. Aber muss es tats├Ąchlich so weit gehen, dass eine Familientherapie her muss, Rollenspiele, Betreuer? Was, wenn unser Mittelchen mit seiner Einsch├Ątzung recht h├Ątte? Dann w├Ąren wir weit ├╝bers Ziel hinaus geschossen.
Mittlerweile bin ich der Auffassung, dass wir uns mit einer Entscheidung, wie es f├╝r uns alle und vor allem f├╝r sie weitergehen soll, Zeit lassen sollen und m├╝ssen. Auch wir Eltern haben ein Recht darauf, das Geschehene f├╝r uns, mit unseren Partnern und auch mit den Geschwistern zu verarbeiten. So lange die Emotionen noch so hoch kochen, ist keine vern├╝nftige, tragf├Ąhige Entscheidung m├Âglich.
Ja, unsere ├älteste wird sich im Moment allein f├╝hlen. Aber wer tr├Ągt daf├╝r die Verantwortung? Niemand hat sie gezwungen, all diese L├╝gen zu erz├Ąhlen, Dokumente zu f├Ąlschen, Geld zu nehmen.
Du fragst nach Freunden. Da gibt es f├╝r sie keine. Sie ist ein Stubenhocker, der nie bzw. nur sehr selten nach drau├čen geht. Lieber sitzt sie am PC, vor dem Fernseher oder liest. Das war schon von klein auf so. Wurde sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen, sie ging nicht hin. Auf dem Spielplatz spielte sie allein. Angebote gab es mehr als genug, aber annehmen muss sie sie schon selbst.

Warum ich mich so zur├╝cknehme? Weil es sich f├╝r mich als Mensch und auch als Mutter momentan nicht stimmig anf├╝hlt, sie zu halten. Das mag sich ├Ąndern, aber im Moment w├╝rde es mir nicht gut tun und ich muss an mich und zwei andere Kinder denken. Vielleicht ist das egoistisch, vielleicht auch nicht.

miau hat geschrieben: Nimmt eine Tochter in dem Alter zu viel vom Papa ger├Ąt sie auf die schiefe Bahn.


Diesen Satz verstehe ich, wenn ich ehrlich bin, so gar nicht.

@ Ansa
Wie es mir mittlerweile geht, hast du ja eigentlich weiter oben schon gelesen. Ich versuche, das Geschehene f├╝r mich zu sortieren. Gestern Abend, w├Ąhrend des Gespr├Ąches mit meinem Exmann sagte er zu mir:"Hey, du machst dir ja mehr Gedanken ├╝ber all das als ich. Warte doch erst mal die n├Ąchsten Wochen ab, wie es sich entwickelt. H├Âr auf, dir ├╝ber ungelegte Eier Gedanken zu machen." Da wurde mir erst einmal bewusst, wie sehr ich gedanklich, emotional doch in dieser Geschichte gefangen bin im Moment.
Er selbst m├Âchte - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - nichts von einem Betreuer wissen und zum Thema Therapie sagte er:"Sie hat einen Therapeuten. Wenn sie dort nicht mehr hingeht, so kann ich sie nicht zwingen."
Er will unserer Tochter, sich selbst, mir und der Familie nun Raum und Zeit geben, zu verarbeiten, zu ver├Ąndern und erst einmal abwarten, was geschieht. Die Konsequenzen aus ihrem Verhalten hat er ihr aufgezeigt, seine Entt├Ąuschung und seine Wut auch. Er schaut ihr nat├╝rlich auf die Finger, erwartet, dass sie sich entweder um eine Ausbildungsstelle, einen Schulplatz oder Job bem├╝ht.

Ob das der Weg ist, kann ich auch nicht sagen.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

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