Angst und der Umgang mit ihr

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Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 4. September 2012 13:01

Hallo ihr Lieben alle!

Heute möchte ich mal ein Thema beginnen, welches mich seit langem begleitet und immer mal mehr, mal weniger aktuell fĂŒr mich ist.

Die Angst vorm Zahnarzt ist vielen Menschen gelĂ€ufig. Ich denke, die meisten Menschen haben zumindest ein mulmiges GefĂŒhl im Bauch, wenn sie zum Zahnarzt gehen. Unsere Kinder kennen sicher alle die Angst vor einer Klassenarbeit oder Klausur. Wir alle haben schon von PrĂŒfungsangst gehört oder kennen sie aus eigener Erfahrung.
Aber was ist mit der Angst vor ganz normalen Alltagssituationen?
Es klingelt an der TĂŒr. Das könnte der Postbote sein. Aber ich öffne nicht, weil ich nicht sicher weiß, ob es wirklich "nur" der Postbote ist. Ich frage noch nicht mal durch die Gegensprechanlage, wer da ist. Nein, ich verkrieche mich, mein Herz schlĂ€gt mir bis zum Hals und ich tue so, als sei niemand daheim. Das Telefon klingelt und ich erkenne die Nummer nicht. Also nehme ich das GesprĂ€ch nicht an. Den Briefkasten öffnen, um zu schauen, ob Post gekommen ist ... unmöglich fĂŒr mich. Jemanden anrufen - Krankenkasse, Ämter usw. - ohne das ich denjenigen persönlich kenne ... geht nicht.
Solche Beispiele habe ich noch einige. Aber ich denke, ich versteht schon.

Nein, diese Angst begleitet mich nicht immer. Es gibt lange Phasen, in denen ich all die o. g. Dinge problemlos machen kann. Aber dann kommen immer wieder Zeiten, in denen ich damit so gar nicht zurecht komme ... wie im Moment.
Ich versuche fĂŒr mich zu ergrĂŒnden, warum es jetzt wieder so ist.

Letztes Jahr im Sommer sollte ich ein Praktikum machen im Rahmen meines Seminars zum Wiedereinstieg in den Job. Ich hab mir die Praktikumsstelle selbst gesucht und war stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Aber einen Tag vor Praktikumsbeginn habe ich mich krank schreiben lassen. Es ging nicht. Ich konnte das Praktikum nicht beginnen, vor Angst.

Zum ersten Mal hatte ich diese Angst kurz nach der Geburt unseres Mittelchens 1995/1996.
Das Jahr, das ihrer Geburt voran ging, war schwer fĂŒr mich. Meine Mutter, mein Opa und auch meine Großtante verstarben in diesem Jahr und ein Umzug kam auch noch. Alles das alles vorĂŒber war, konnte ich plötzlich nicht mehr allein mit den Kindern zu Hause sein. Ich habe meinen Exmann immer wieder von der Arbeit zurĂŒck gerufen. Ich konnte nicht schlafen. Mir war nur ĂŒbel und ich war noch nicht mal mehr in der Lage, mich um die beiden Kinder zu kĂŒmmern. Ich war wie gelĂ€hmt.
Unser damaliger Hausarzt verschrieb mir Diazepam und riet mir zur Therapie, die ich auch gemacht habe. Danach war jahrelang eigentlich alles ok. Immer mal wieder kleine AngstschĂŒbe, die ich aber gut allein verarbeiten konnte ... bis zum letzten Jahr.
Seit dem scheine ich mich nicht mehr wirklich zu erholen.

Mag sein, es liegt an unserer gesamten Situation.
Finanziell ist unsere Situation ein Desaster ... ALG II sei Dank und das trotz Umschulung und meinem Job. Ich habe das GefĂŒhl, wir treten auf der Stelle und das Jobcenter fordert und fordert und fordert. Nun hat man uns zum Umzug aufgefordert, weil wir eine Mieterhöhung bekommen haben. Damit sind unsere Wohnkosten nicht mehr angemessen. Aber es gibt hier keine angemessenen Wohnungen, die dem Standard des Jobcenters entsprechen. Wir möchten aber hier nicht weg, weil die Kinder hier ihr soziales Umfeld haben.

Die Sorge um unsere Älteste ist nach wie vor da und lĂ€sst sich nicht wegleugnen.
Unser Mittelchen besucht nun das Gymnasium und auch da verÀndert sich plötzlich alles.
Ich kĂ€mpfe an so vielen Fronten und habe das GefĂŒhl, es werden mehr und nicht weniger.

Als ich heute frĂŒh unseren Kleinen in den Kindergarten gebracht habe und er so fröhlich an meiner Hand neben mir her hopste, dachte ich so, dass es eigentlich nur noch die Kinder sind, die mich am kĂ€mpfen halten. Ich glaube, hĂ€tte ich die Kinder nicht, so hĂ€tte ich den Kampf schon aufgegeben.
Alles was ich mir wĂŒnsche ist mal eine Woche ohne Brief vom Jobcenter, ohne Forderungen, ohne Angst.

Macht ALG II krank? Ich glaube ja. Dieser stĂ€ndige Druck, diese stĂ€ndigen ErklĂ€rungen, diese HerabwĂŒrdigungen .. das kann kein Mensch aushalten, noch dazu, wenn man bedenkt, dass ich ja arbeiten gehe. Wir liegen dem Steuerzahler ja noch nicht einmal komplett auf der Tasche.

In einer halben Stunde muss ich los zur Arbeit.
Ich habe Angst davor. Warum kann ich mir nicht einfach die Decke ĂŒber den Kopf ziehen, bis es mir wieder besser geht?
Weil ich weiß, dass dieses Verhalten nichts Ă€ndern wĂŒrde. Ich muss dagegen ankĂ€mpfen .... und mal wieder einen Kampf an einer weiteren Front fĂŒhren.

Erschöpfte, traurige GrĂŒĂŸe
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 4. September 2012 20:32

Liebe Maxi!

Danke fĂŒr deine Antwort.

Weißt du, ich glaube nicht, dass es an meiner Einstellung zu ALG II liegt. Mir ist schon bewusst, dass ich mir nur etwas von dem zurĂŒck hole, was ich selbst mal in die Solidargemeinschaft eingezahlt habe.
Auch das es Regelungen geben muss, ist mir klar und das Grenzen gezogen werden mĂŒssen.
Vielmehr zermĂŒrbt mich diese Menschenverachtung, die einem teilweise von den Mitarbeitern der Jobcenter entgegengebracht wird. Man ist nur eine Nummer, aber kein Mensch. Ich könnte mittlerweile ein Buch darĂŒber schreiben, was uns alles so passiert ist, seit wir im Leistungsbezug stehen.

Nur - meine Angst ist ja viel lÀnger da, als wie wir im Leistungsbezug sind. Als diese Angst begann, dachte noch niemand an ALG II. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es mir schlechter geht, seit wir ALG II beziehen.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Ansa 5. September 2012 07:50

Liebe Muckelmaus,

das tut mir leid zu lesen, ich selbst kenne solche Dinge gar nicht, habe aber durchaus in meinem Bekanntenkreis Ă€hnliches. Angst ist so eine Sache, entweder sie beflĂŒgelt, so dass man Dinge tun kann, die man sonst nicht schaffen wĂŒrde, oder aber sie lĂ€hmt und engt ein. Das ist wie am Ende einer Jagd, das Wild bleibt stehen und erwartet was da kommt..... Ich stelle mir das sehr schwer vor.

Nun weißt Du vermutlich selbst am Besten, wie Du damit umgehen kannst? Aktiv Hilfe suchen, GesprĂ€che, Therapie? Hast Du eine Idee, was der Auslöser fĂŒr Deine, ich nenn sie mal "SchĂŒbe" sein kann? Stress vielleicht? Das klingt zumindest fĂŒr mich relativ logisch, nachdem was Du erzĂ€hlst? Geburten sind ja fĂŒr viele Frauen sehr Problembeladen, man nennt das Umgangssprachlich ja oft Wochenbettdepression und oft sind die damit einhergehenden Ängste eher nicht greifbar, aber doch sehr real.

Ich neige zu der Theorie, das bestimmte Erlebnisse die wir in unserem Leben gemacht haben (und Du hast es ja nicht leicht gehabt) immer mal wieder auftauchen. Ich nenne meine immer "alte Schattengespenster" oder sag auch schon mal "oh, wieder mal die KellertĂŒr aufgelassen....", die AbstĂ€nde werden grĂ¶ĂŸer - aber trotzdem steigen solche Dinge wieder auf und wollen umgewendet und betrachtet werden, vielleicht neu bewertet, wenn man es zulĂ€sst? Dagegen helfen GesprĂ€che, beim letzten Mal bin ich in unsere Beratungsstelle gegangen und hab mir dort helfen lassen..... nur reden, das hat einfach gut getan.

Ob und welche Lösung fĂŒr Dich in Frage kommt das kannst Du selbst bestimmt viel besser entscheiden, als wir es Dir raten können.

So, die Arge - Arbeitslosengeld II macht tatsĂ€chlich krank, Arbeitslosigkeit macht krank, es gibt dazu so einige Untersuchungen. Ich fand das ganz spannend und traurig. In Österreich hat man das untersucht, in einer abgelegenen Region waren beinahe alle Menschen einer kleinen Stadt in einer einzigen Firma beschĂ€ftigt, alle außer Lehrer, Ladenbesitzer, Polizisten, Beamte usw. Und dann schloß die Firma, es gab keine Chance auf neue Jobs außer durch weg ziehen - niemand konnte auf den Anderen herab sehen oder ihn kritisieren, eine geschlossene Firma und der Entzug der Existenz war ja kein Eigenverschulden. Und dann stellte man fest, das all die Betroffenen sich verĂ€nderten, sie wurden langsamer, schienen mĂŒder, verloren Lebensfreude, verĂ€nderten ihre Lebensrythmen - sie wurden öfter krank...... Das war ĂŒberraschend, SO doll hatte man das nicht erwartet.

Da tĂ€uscht Du Dich also nicht. Und Deine Wahrnehmung? Es gibt da immer zwei, glaube ich, Deine eigene verstandesgeleitete Wahrnehmung, die sagt, "ich hab eingezahlt fĂŒr schlechte Zeiten und das ist okay so" und das, wie Du aufgewachsen bist und das kann eben ganz gegensĂ€chlich sein, so in der Art "Arbeitsscheues Gesindel....." und diese Einstellung ist meistens unbewusst. Kannst Du das fĂŒr Dich hinterfragen? Wenn man es erkannt hat, ist es oft möglich, die Dinge positiv zu verĂ€ndern.

Meine MĂ€dchen und ich haben ja auch einmal eine Zeit so gelebt, Papa zahlte keinen Unterhalt und brachte eine Bescheinigung seines Steuerberaters bei, das er das auch nicht könne - das war hart fĂŒr uns. Ich hab GlĂŒck gehabt, mein Sachbearbeiter war wirklich nett und erklĂ€rte mir vieles, da war nichts von Ablehnung zu spĂŒren..... spĂ€ter, als er nicht mehr da war, wurde das schon anders. Aber mit drei, relativ jungen Kindern und Alleinerziehend sind sie bei uns in der Gegend relativ gelassen und wenn man einen "kleinen" Job hat, hat man im Allgemeinen auch seine Ruhe. Ich hab die Übergangszeit zwischen Sozialhilfe und Hartz VI miterlebt und weiß ziemlich gut, wieviel weniger man durch diese VerĂ€nderung bekommt und wieviel schwerer es geworden ist.

Aber natĂŒrlich kenne ich das, Mitarbeiter bei der Arge, völlig ĂŒberlastet, keine Ahnung von den GesetzesĂ€nderungen von gestern, weil zu wenig Leute und zuviel Neues, Kunden die unverschĂ€mt sind - da liegen mitunter die Nerven blank...... dazu kommen auf der anderen Seite oft genug Scham und Unsicherheit, keine gute Mischung.

Wie man damit umgeht oder wie die Sachlage ist, ist auch von Jobcenter zu Jobcenter unterschiedlich. Maxi hat ja vorgeschlagen, Du sollst protokollieren, wie Du nach einer Wohung suchst, das ist eine gute Idee. Ansonsten, ich weiß ja nicht, wie hoch die Mieterhöhung ist, auch wenn es Probleme bedeutet, wĂ€re eine eventuelle Klage eine Lösung? Jeder 2. Klage wird statt gegeben. Ich finde das ist eine aussichtsreiche Sache. Und, das Umfeld fĂŒr die Kinder ist immer gaaaanz wichtig, da lohnt es sich zu kĂ€mpfen. Gymnasialbesuche sind ja auch ein deutliches Zeichen dafĂŒr, das Ihr nicht das ĂŒbliche Klientel seid?!

Ein Umzug samt der Kosten, eine eventuelle Wohungsrenovierung hier und da muss auch in einem GesamtverhĂ€ltnis stehen - das mĂŒsste man mal ĂŒberschlagen und erfragen, womit man zu rechnen hat. Und dann ĂŒberlegen, ob eine Klage Sinn macht. NatĂŒrlich wird man bei der Arge dafĂŒr nicht besonders geschĂ€tzt, aber - das Jobcenter soll ein Dienstleister sein - und so sollten sie sich auch benehmen. Ich weiß aber nicht, ob Du, ob Ihr, die Kraft dafĂŒr habt?

FĂŒhl Dich gedrĂŒckt...... wie steht es denn um Deine Große? Es ist ja einiges an Zeit vergangen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon sonnenschein2 5. September 2012 07:56

Guten Morgen liebe Muckel,
ich kann mir vorstellen wie du dich fĂŒhlst. Leer, ausgelaugt und vielleicht auch mutlos. Hast du schon mal daran gedacht dir UnterstĂŒtzung zu holen? Mir ging es vor Jahren Ă€hnlich. Ich war kaum in der Lage aufzustehen. Ich habe mich damals an die Caritas gewandt und dort UnterstĂŒtzung erhalten. Magst du vielleicht mal schauen welche Möglichkeiten es da fĂŒr dich gibt? Hast du dazu noch die Kraft? Gibt es eine Freundin, die dir im Umgang mit den Behörden zur Seite stehen kann? Ich glaube, es macht nicht soviel Sinn zum Doc zu gehen um Tabletten einzuwerfen. Die Tabletten können eine begrenzte Zeit auffangen, aber sie werden nicht die Ursache bekĂ€mpfen. Hast du noch Kontakt zu deinem Therapeuten? Es wĂ€re vielleicht gut, wenn du therapeutische UnterstĂŒtzung erfahren könntest.
Muckel, wann immer du magst, melde dich, gerne auch per PM. Ich bin ja zur Zeit daheim und habe Zeit. Wenn du einfach mal reden möchtest. Gerne.
Ich mag dich gerne darin unterstĂŒtzen das zu erhalten was dir und euch zu steht. Du brauchst Kraft um den Behörden gegenĂŒbertreten zu können und nicht zum Spielball zu werden. Vielleicht können wir dich hier unterstĂŒtzen. Lass uns hingucken welches Problem im Augenblick das GrĂ¶ĂŸte ist. Der Berg vor dem du stehst scheint unĂŒberwindbar. Aber wir können ihn in kleine Etappen unterteilen. StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Alles nacheinander. Lasten verteilen und aufteilen.

Ich freue mich sehr auf Nachricht von dir.
FĂŒhl dich verstanden und gesehen.
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 5. September 2012 09:07

Ach - Ihr Lieben alle, fĂŒhlt euch mal fest gedrĂŒckt von mir :umarmen:
Es tut mir gut, eure Antworten und Gedanken zu lesen.

@ Ansa
Ich zwinge mich zu all den Dingen, vor denen ich Angst habe. Wenn es also an der TĂŒr klingelt, versuche ich aufzustehen und wenigstens durch die Gegensprechanlage zu fragen, wer dort ist. Nur so komme ich dagegen an. Wenn ich meiner Angst den Raum gebe, wird es nur noch schlimmer und wird letztendlich dahin fĂŒhren, dass ich mich nicht mehr traue, das Haus zu verlassen. Das darf nicht passieren.

Stress, ja, den vermute ich als Auslöser fĂŒr meine SchĂŒbe. Anders kann ich es mir nicht erklĂ€ren. Da sind so viele Dinge, die auf mich warten ... die Kinder, der Mann, der Hund, der Haushalt, der Job und der ganze elende Behördenkram.
Man stelle sich vor - Samstag morgen, mein Mann geht zum Briefkasten und findet dort 7!!!!!! Briefe des Jobcenters vor. Alles Antworten auf Fragen, die wir Monate vorher schon gestellt hatten. NatĂŒrlich wollte das Jobcenter das noch Dinge erledigt werden und das mit einer Fristsetzung, die derart kurz war, dass es eigentlich kaum zu schaffen war.
Mir ist bewusst, dass die Mitarbeiter dort ĂŒberlastet sind, dass es zu wenig Angestellte dort gibt, dass es auch nur Menschen sind. Aber es kann nicht sein, dass monatelang (von Mai bis August) gar nichts passiert und dann kommt alles auf einmal. Immer wieder waren mein Mann oder ich dort und haben nachgefragt. Immer wieder sind wir vertröstet worden, bis hin zu der Aussage, die Kollegin sei nicht da und der andere Kollege weigere sich, unsere Akte in die Hand zu nehmen. Wie viele Sanktionen hĂ€tten wir schon erhalten, wenn wir als Leistungsbezieher so denken wĂŒrden?
Dokumentieren tun wir alles und das Jobcenter bekommt von uns nichts in die Hand, ohne dass wir uns eine BestĂ€tigung fĂŒr das Erhaltene aushĂ€ndigen lassen. Unser Dokumentieren geht mittlerweile soweit, dass man sich dort beschwert, weil wir die Immobilienteile der Tages- und Wochenzeitungen sammeln und dort abgeben, damit man sieht, dass tatsĂ€chlich keine Wohnung im angemessenen Rahmen zu finden ist. Aber wie soll ich z. B. einen Vermieter davon ĂŒberzeugen, mir seine Ablehnung auch noch schriftlich zu geben? Dazu ist er ja nicht verpflichtet. Das Jobcenter möchte eine solche Ablehnung aber gern sehen. Manchmal erscheinen mir Regelungen des Jobcenters so realitĂ€tsfern. Aber das liegt sicher daran, dass man solche Dinge irgendwo am runden Tisch entscheidet.
Es nervt mich, wenn ich nach Jahren mal einen Vermittlungsvorschlag bekomme, dort anrufe und dann höre, es handle sich um einen 400-Euro-Job. Ist dem Jobcenter denn nicht bewusst, dass ich mich damit schlechter stelle, als jetzt mit dem Job, den ich habe? Der ist nÀmlich sozialversicherungspflichtig. Also muss ich das dann wieder klÀren. Es gibt einfach Dinge, da frage ich mich, ob der jeweilige Mitarbeiter seinen Verstand morgens an der Garderobe abgibt.

Eine Klage wĂ€re einen Versuch wert. Aber der Teamleiter der Leistungsabteilung im Jobcenter hat uns erklĂ€rt, so lange wir nachweisen können, dass es keinen angemessenen Wohnraum fĂŒr uns gibt, können wir hier wohnen bleiben. Aber wir mĂŒssen halt niet- und nagelfest nachweisen, dass es tatsĂ€chlich - trotzt intensiver Suche - keine Chance fĂŒr uns gibt.

Ob diese erste Angstattacke damals nach der Geburt unseres Mittelchens eine Wochenbettdepression war, kann ich nicht sagen. Aber auch da schiebe ich es eigentlich auf den Stress vor der Geburt - die Krankheit und der Tod meine Mutter, der Tod meines Opas und meiner Tante, die Wohnungsauflösungen, der Umzug von uns selbst. Ich glaube, all das war einfach zu viel fĂŒr mich.

@ Sonnenschein
Ich danke dir fĂŒr dein liebes Angebot und werde sicherlich darauf zurĂŒck kommen - hier oder per PN.
Ja, in kleine Etappen unterteilen, das wĂ€re eine gute Maßnahme. Nur sehe ich im Moment tatsĂ€chlich nur den großen, unĂŒberwindbaren Berg, weil jede Seite alles sofort möchte und nicht warten kann oder will.

Ganz furchtbar viele GrĂŒĂŸe an euch alle
Muckel

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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon sonnenschein2 5. September 2012 09:34

Liebe Muckel,
du hast nicht nur Pflichten, du hast auch Rechte. Du hast z.B. das Recht bei der Arge um Terminaufschub zu bitten. Dir mĂŒssen schon angemessene Zeitfristen gegeben werden. Normalerweise ist das kein Problem. Versuche vielleicht einmal dich nicht ganz so sehr unter Druck setzen zu lassen. Du darfst auch mal "Nein" sagen. Das meine ich auch mit dem großen Elefanten in kleine Scheiben zerteilen. Auch die Mitarbeiter der Arge haben Pflichten.
Ich kann dich so gut verstehen. Das Leben kostet so viel Kraft. Jede Entscheidung kostet so viel Kraft. Vondaher brauchts du Kraftquellen. Du hast auch das Recht die jegliche UnterstĂŒtzung zu holen, die du bekommen kannst. Möglichkeiten gibt es immer. Du hast auch die Pflicht gut fĂŒr dich zu sorgen. Diese Verantwortung kann dir leider niemand abnehmen.
Ich kann dir nur zuhören und versuchen dich zu unterstĂŒtzen. Ich bin da wenn du mich brauchst.
Pass gut auf dich auf.
Liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 5. September 2012 10:03

Liebe Sonnenschein!

Zuhören hilft manchmal mehr, als tausend Worte ...

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon sonnenschein2 5. September 2012 12:51

Hallo Muckelmaus,
ja ich weiß, gerade wenn niemand da ist, der zuhört. Manchmal ist es so, nicht wahr? Manchmal ist man bei all der Last des Alltags so alleine. Das riesen Paket nur mal fĂŒr einen Augenblick absetzen und nicht mehr funktionieren mĂŒssen. Frei sein ohne Angst und Sorge.
Manchmal hilft es auch vielleicht mal in Begleitung zum Amt zu gehen. Ich hatte auch mal das "VergnĂŒgen" an einen Sachbearbeiter zu geraten, der mir 10 Monate vor Ende meiner Ausbildung die BezĂŒge streichen wollte, weil ich mich nicht dem Arbeitsmarkt zur VerfĂŒgung stellen wollte. Ich habe damals all meinen Mut zusammen genommen und mich mit ihm auseinandergesetzt. Ich habe die UnterstĂŒtzung noch bis Ausbildungsende bekommen..
Wir sind hier da fĂŒr dich. Ich sehe dich in deiner Angst. Glaube mir, ich weiß, dass Angst dich lĂ€hmen kann, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich denke an dich
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Ansa 5. September 2012 13:13

Liebe Muckel,

wir sind hier, auch nur zum zuhören..... es ist schon so, wie es Sonnenschein beschreibt, ich erinnere mich, als ich, nach drei Kindern aus dem Erziehungsurlaub in die Arbeitslosigkeit geriet, (meine Firma hatte "meinen" Betriebsteil ausgelagert und geschlossen, clever..... ) und der Beamte zu mir, auf die Antwort auf seine Frage "wieviele Kinder haben sie denn" "ich hab drei kleine Kinder" glatt sagte "haben sie denn keine anderen Hobbies?"

Ich muss den sowas von entsetzt angesehen haben, das er rot anlief und sich wortreich entschuldigte und was der alles so sagte...... und erst im Nachhinein ging mir persönlich die Ungeheuerlichkeit dieser Aussage auf. Da war ich allerdings lÀngst wieder zu Hause.

Solche Dinge greifen so sehr das Selbstbewusstsein an, das man sich einfach schuldig fĂŒhlt, der Gesellschaft gegenĂŒber und sich selbst auch noch. Der Rat, Dir Hilfe zu holen, Vertraute mit auf`s Amt zu nehmen (darauf hast Du sogar einen Rechtsanspruch!) und auch um Verschiebung von Antworten nach hinten zu bitten, kann eine wirklich gute Idee sein.

Wir sind fĂŒr Dich, so wie Du uns brauchst.

Liebe GrĂŒĂŸe und fĂŒhl Dich gedrĂŒckt
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 6. September 2012 09:11

Liebe Ansa!

Ja, solche Aussagen von Mitarbeitern kenne ich auch und bestimmt gibt es eine ganze Menge von Betroffenen, die Àhnliches schon gehört haben. Und ja, das nagt am Selbstbewusstsein.
Ich selbst habe schon gehört, ich hĂ€tte ja nicht noch einmal schwanger werden und jetzt ein kleines Kind haben mĂŒssen, dann könnte ich auch Vollzeit arbeiten gehen. Mir ist auch nur noch der Mund offen geblieben. Passende Antworten sind mir auch erst viel spĂ€ter eingefallen.

Nachher haben mein Mann und ich einen Termin beim Jobcenter, weil ich einen Beschwerdebrief an den Teamleiter der Leistungsabteilung geschickt habe. Darin habe ich beklagt, dass wir monatelang auf eine Antwort warten mĂŒssen, um dann gleich die schon erwĂ€hnten 6 Briefe zu bekommen mit einer Fristsetzung, die knapper kaum hĂ€tte sein können. Daraufhin hat man uns angerufen und um diesen Termin gebeten. Ich bin mal gespannt, was dabei heraus kommt.

Im Moment geht es mir so einigermaßen. Allerdings bemerke ich, dass ich mich beim Einkaufen kaum traue, etwas zu kaufen, das zufĂ€llig nicht auf der Einkaufsliste steht. So hin und wieder muss ja mal eine Kleinigkeit drin sein. Aber aus Angst, das Geld könne nicht reichen (und das hat es bisher eigentlich immer), kann ich es einfach nicht. Am liebsten wĂŒrde ich meinen Mann zum Einkaufen schicken, damit ich mich dieser Situation nicht stellen muss. Trotzdem ist das wieder einmal so eine Alltagssituation, die sich mir als neue Baustelle auftut und gegen die ich ankommen muss.

Liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon sonnenschein2 6. September 2012 09:44

Liebe Muckel,
ich wĂŒnsche dir viel Erfolg bei dem GesprĂ€ch im Jobcenter. Wenn du magst dann melde dich doch spĂ€ter und erzĂ€hle wie es dir ergangen ist.
Ich bin mit meinen Gedanken bei dir.
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Muckelmaus 10. September 2012 10:06

Guten Morgen ihr Lieben!

Heute scheine ich keinen guten Tag erwischt zu haben :(
Es fiel mir sogar schwer, den Kleinen in die Kita zu bringen, zumal dort noch ein kleines, klĂ€rendes GesprĂ€ch wegen eines Vorfalles am vergangenen Freitag anstand. Zur Bank sollte ich eigentlich auch noch. Aber das ging irgendwie gar nicht. Ist es normal, dass man Angst vor einem Bankautomaten hat? Der Liebste war dann so lieb und ist fĂŒr mich noch schnell dorthin, bevor er zur Umschulung los ist.
Zum Einkaufen habe ich mich regelrecht zwingen mĂŒssen, obwohl es nur 3 Kleinigkeiten waren. Es ist mir unendlich schwer gefallen und heute Nachmittag muss ich doch eigentlich arbeiten. Mal sehen, wie das dann wird ....

Das GesprĂ€ch beim Jobcenter (der Liebste war ja dabei) ist eigentlich gut gelaufen. Es war ein GesprĂ€ch zu viert, mit unserer Sachbearbeiterin und ihrem Teamleiter. Über eine Stunde hat es gedauert und es wurden doch so einige Dinge vom Tisch gerĂ€umt auf beiden Seiten. Der Liebste und ich bekamen sogar Kaffee angeboten *staun*.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon sonnenschein2 10. September 2012 10:26

Guten Morgen liebe Muckel,
hej du hast es geschafft und hast den kleinen Mann zum Kiga gebracht. Und dann auch noch ein unangenehmes GesprĂ€ch. Du hast fĂŒr heute Vormittag dann doch schon einiges hinbekommen. Ich kann dir gut nachfĂŒhlen, dass du vor dem Bankautomaten Angst hast. Es ist ja nicht nur der Automat. Du musst ja auch noch vorher den Weg dorthin schaffen. Das alles kostet viel Kraft. Vielleicht schaffst du es in kleinen Schritten dich deiner Angst zu stellen. Jeden Tag eine kleine Strecke. Es ist doch schon ein Erfolg, wenn du es bis zum Briefkasten schaffst und die Briefe öffnest.
Das GesprĂ€ch beim Jobcenter hört sich doch gut an. Vielleicht geht es ja jetzt doch mal etwas angenehmer fĂŒr euch. Ich wĂŒnsche es dir sehr.
Ich drĂŒcke dir fest die Daumen, dass du die Kraft hast heute zur Arbeit zu gehen. ErzĂ€hle gerne mehr, ich höre dir zu.
Viele liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Angst und der Umgang mit ihr

Beitragvon Ansa 10. September 2012 12:03

Liebe Muckel,

ein solches GesprĂ€ch beim Jobcenter ist doch wirklich ein Erfolg und ich drĂŒcke Euch die Daumen, das es besser werden wird......

Ansonsten, Du hast doch schon einiges geschafft und Du weißt ja, wir sind fĂŒr Dich da.....

FĂŒhl Dich einfach gedrĂŒckt
Ansa
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