Innerer Frieden

Hier ist Platz fĂŒr alle kleinen und großen Erfolge auf eurem Weg in ein neues Leben nach der Trennung / Scheidung

Innerer Frieden

Beitragvon Gerda 5. Februar 2009 00:56

Gestern habe ich meine ersten Posts hier im Forum gelesen, die ich schrieb, als ich sehr sehr verzweifelt war. Ich staunte darĂŒber - es ist ja erst 3 bzw. 3,5 Jahre her. Ich konnte mich noch so gut erinnern, wie schlimm sich das alles angefĂŒhlt hat, wie verzweifelt ich war und wie ausweglos ich das alles erlebt habe, aber ich hatte es schon vergessen, wie schlimm es gewesen war. Ich habe dann ja damals noch mal selbst Psychotherapie angefangen, obwohl ich mich schĂ€mte, dass ich nach so vielen - 10!! - Jahren noch immer nicht fertig war mit der Verarbeitung der Scheidung und von meinem Beruf her das GefĂŒhl hatte, ich hĂ€tte es lĂ€ngst schon "hinter mir" haben mĂŒssen.

Im letzten herbst hatte ich einen extrem schmerzhaften Trauerprozess in diesem Zusammenhang. Ich habe es mir angeguckt, dass es so ist, dass mein Exmann unsere beiden Söhne völlig von mir entfremdet hat. Ich habe nicht mehr innerlich gekĂ€mpft dagegen, der Wahrheit ins Auge zu gucken. Ich habe losgelassen von den Überlegungen, wie kriege ich sie dazu, dass sie einsehen, dass das nicht richtig ist. Ich habe aufgehört, innerlich Amok zu laufen, um es nicht zu fĂŒhlen, wie schrecklich weh es mir tut. Ich habe mich vom Wunschbild, wie die Beziehung zu meinen Söhnen und wie Familie aussehen sollte, verabschiedet. Ich habe neue Bilder entwickelt und neue WĂŒnsche ĂŒber neue Familien - auch mit Eurer UnterstĂŒtzung hier.

Ich habe dem auch innerlich in mir Raum gegeben, dass die Trennung und Scheidung sehr traumatisch fĂŒr mich waren und sind. Ich habe dem ins Auge gesehen, dass mein Exmann mich geschlagen hat, körperlich bedroht hat, selbst in der Schwangerschaft unserer Tochter. Ich habe begonnen, zu verstehen, wie verletztend es fĂŒr mich war, dass er das spĂ€ter vor Gericht alles abgestritten hat und seine Verantwortung dafĂŒr nicht ĂŒbernommen hat. Ich habe mich verabschiedet von dem Wunschbild einer Versöhnung und begonnen zu akzeptieren, dass er so und nicht anders ist. Das ist bitter, und noch immer nicht abgeschlossen fĂŒr mich. Ich habe auch meine eigenen SchuldgefĂŒhle auf das realistische Maß heruntergeschraubt und seine jahrelangen Schuldzuweisungen an mich und die Schuldzuweisungen meiner Söhne innerlich zurĂŒckgewiesen.

Nun spĂŒre ich Erleichterung und NĂŒchternheit. Es tut nicht mehr entfernt so weh, wie die ganzen Jahre ĂŒber. Es hört in mir ein kindliches HĂ€nderingen auf "wenn ich ES nur RICHTIG gemacht hĂ€tte, wĂ€re das alles nicht passiert". Ich nehme die Verantwortung, die ich habe und nicht mehr. Es gibt Verantwortung auf der Seite meines Ex, mit der ich nichts zu tun habe und auch ein bedauerliches "es hat nicht geklappt".

Das Ziel "innerer Friede" ist noch nicht erreicht, aber es ist ein großes StĂŒck angenĂ€hert. ĂŒber das, was noch fehlt, bin ich traurig. Aber ich freue mich auch, dass ich so viel extrem schwierige innere Friedensarbeit tun konnte.

Gerda
"Unser wahres Zuhause ist der gegenwĂ€rtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwĂ€rtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte, und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“

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Re: Innerer Frieden

Beitragvon sonnenschein2 5. Februar 2009 14:00

Liebe Gerda,
ich gratuliere dir zu so viel abgearbeiteten Baustellen. Deine Worte klingen nach viel Schmerz und Trauer jetzt aber voll Mut und Zuversicht. Du bist auf dem Weg "die Dinge anzunehmen, die du nicht Àndern kannst"..das sind Worte aus einem Gebet.
Ich finde es sehr schön zu lesen, dass du Frieden schließen konntest mit so vielen Dingen, die dich belastet haben. Ich stelle mir vor, dass jetzt viel Kraft und Energie frei ist fĂŒr andere, schöne Aufgaben in deinem Leben. Ist das so?
Schön, dass du das gerade jetzt im FrĂŒhjahr so empfinden kannst. In der Natur bricht auch schon langsam alles zu neuem Beginn auf...
Ich danke dir, dass du uns hier teilhaben lÀsst an deinem Sein.
Ganz liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon tarsshaft 5. Februar 2009 17:48

Liebe Gerda!

Immer dann, wenn wir unser inneres Kind finden und annehmen können, wird es möglich, Vergangenes loszulassen und zu verzeihen. Sowohl denen, die uns weh getan haben, als auch uns selbst. Gerade sich selbst verzeiht man oft am schwersten, dabei ist es doch so unerlÀsslich, mit sich selbst in Frieden zu leben, da wir uns nun mal immer um uns haben und nicht ablegen können wie jemand anderen, der lÀstig geworden ist.

Ich glaube, dass du dein inneres Kind gefunden hast, Gerda. Das freut mich sehr fĂŒr dich. Ich wĂŒnsche dir weiterhin viel Kraft und Mut, damit ihr gemeinsam weitergehen könnt.

An dieser Stelle möchte ich dir noch einmal von ganzem Herzen danken fĂŒr deine Zeilen, die du bislang hier an uns und auch an mich persönlich schon geschrieben hast. Ich habe sie immer als sehr wertvoll empfunden.

Liebe GrĂŒĂŸe, tarsshaft
Das Heute leben, das Kommende erwarten, das Vergangene nutzen.
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon rita 6. Februar 2009 09:24

Liebe Gerda,
auch mich freut es zu lesen, daß Du auf einem anderen Weg und dem der Besserung bist !

Ich habe zwar lĂ€ngst nicht so lang so schmerzhafte Dinge erfahren wie Du, aber wie Du weißt, mußte auch ich im letzten Jahr den schmerzhaften Trennungsprozeß von meiner Tochter akzeptieren. Und genau das ist das Stichwort. Wie sonnenschein schon sagte.....die Dinge annehmen, die Du nicht Ă€ndern kannst.....das ist zwar schön gesagt, aber fĂŒr manchen ein langer, langer Weg.

Ich bin, nachdem mir mein Mann mal wieder sagte, wie lange ich denn noch brĂ€uchte, um ES endlich so zu sehen wie es nunmal ist :-), zu der Überzeugung gekommen, daß es Menschen, die in Herzensangelegenheiten wenig konsequent sein können, auch lĂ€nger leiden. Ist das so ??? Warum quĂ€lt man sich selbst so ????
Man wird von den " Liebsten" etliche Male, egal ob körperlich oder psychisch, in den Allerwertesten getreten, bis leidensfĂ€hige Frau irgendwann einmal sagt: es reicht. Dann kommt das schlechte Gewissen: hast Du nicht ĂŒberreagiert, ist es richtig, was Du gemacht hast, hĂ€ttest Du es nicht abwenden können?
Auch all diese Gedanken habe ich mir ĂŒber MOnate gemacht. Heute bin ich auf dem Weg zu : ich bin ich und NIEMAND hat das Recht, mich und meine Empfindungen zu bewerten. Ich bin sehr leidensfĂ€hig und sensibel, fresse aber viel in mich hinein. So daß es irgendwann knallt und ich so reagiere, wie ich meine, es ist fĂŒr mich am besten. NatĂŒrlich auch fĂŒr den Selbstschutz. Jedenfalls habe ich nun nach der ganzen Zeit kein schlechtes Gewissen mehr. Man hat mich genauso zu nehmen wie ich sie nehmen mußte, auch alle anderen Beteiligten. Ich denke, das Schwierige an der ganzen Sache ist, sich selbst mit aller Überzeugung sagen zu können: Ich bin auch jemand, ich habe alles getan, was mir möglich war, nun bin ich und ihr an meine Grenzen gekommen, und nun ist Schluß. Ich spiele jetzt nach meinen Spielregeln weiter und ich mĂŒĂŸt nun sehen, wo ihr bleibt. Quasi die Reißleine gezogen. Das schlechte Gewissen, was sich entwickelt, ist sicherlich auch etwas MĂŒtterliches, da man sein Kind, egal wie alt es ist, immer noch beschĂŒtzen möchte. Und sicherlich kommt manchmal auch die Lebenserfahrung dazu, warum man seinem Kind seinen Willen bzw. sein Denken "aufdrĂ€ngen" möchte.
Ich laß jetzt nicht nur die anderen, sondern auch meine Tochter machen und mittlerweile lebe ich gut damit. Ich kĂ€mpfe nicht mehr gegen Dinge, die ich nicht Ă€ndern kann, ich habe in dieser Hinsicht aufgegeben. Sie weiß, wo ich wohne und sie hat einen Mund, um mit mir zu reden, sollte es ihr schlecht gehen. Ich weiß auch, daß es mal wieder zu bestimmten Zeiten einen Einbruch geben wird, aber ich habe keine Lust mehr, fĂŒr alle anderen die Doofe zu sein, die, die man nicht verstehen kann/will, die, die heimlich belĂ€chelt wird.... Andere bewerten Situationen anders als ich und niemand kann mir das Recht nehmen, so zu handeln, wie ich es eben mache.

Tarsshaft schrieb: verzeihen ....Sowohl denen, die uns weh getan haben, als auch uns selbst.
Ich sehe das ein wenig anders. Wie kann ich denn dem, der mir weh getan hat, egal in welcher Form, verzeihen? Danach mĂŒĂŸtest Du, Gerda, Deinem Exmann verzeihen, daß er geschlagen und gedemĂŒtigt hat, Deine Söhne entfremdet hat? Kannst Du das ? ? ? ? Wie kann man Verzeihen verstehen?
Also ich lebe sehr gut damit, indem ich nicht verzeihe, sondern diesen Menschen wie Luft behandele, sofern ich ĂŒberhaupt noch mit ihm zu tun haben muß. Dieser Mensch wird mir NIE WIEDER wehtun. Und ich glaube an den Spruch: Man sieht sich immer zweimal. Kann sein, muß nicht sein. Aber eher in dem Sinne: Du wirst Dein PĂ€ckchen auch eines Tages noch abbekommen. Aber in Deinem Fall auf eine Versöhnung mit Deinem Ex gehofft zu haben-nein, einem solchen Menschen könnte ich nie und nimmer verzeihen, er wĂ€re fĂŒr mich gestorben. Ich weiß nicht, wie ich sonst Verzeihen interpretieren soll. Verzeihen heißt fĂŒr mich, laß mich in Ruhe und verzieh Dich. Und das hat nichts mit dem anderen zu tun, denn dem ist es egal, ob ich ihm verzeihe oder nicht, also lediglich eine Sache fĂŒr mich selber.

Du scheinst auf einem neuen, guten und richtigen Weg fĂŒr Dich sein.
Viel Kraft, StĂ€rke, vor allem Erfolg und letztlich GlĂŒcklich-sein wĂŒnsche ich Dir bei der letzten Umsetzung,
viele GrĂŒĂŸe, Rita
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon Gerda 6. Februar 2009 11:44

Liebe Sonnenschein, liebe Tarsshaft, liebe Rita,

danke, dass Ihr mir geschrieben habt.

fĂŒr mich hat es nicht nur den Aspekt, Dinge anzunehmen, die ich nicht Ă€ndern kann - was aber auch sehr schwer war, merke ich jetzt noch mal nachtrĂ€glich - sondern ĂŒberhaupt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Da begegneten mir tasĂ€chlich viele Schmerzen, viel Trauer. Ich war noch ĂŒberall gebunden mit Überlegungen, was ich wie hĂ€tte machen können, damit ES NICHT PASSIERT, was passierte: Trennung, Scheidung, KontaktabbrĂŒche der Söhne, Auszug der Tochter. Und auch immer und ĂŒber Jahre die Überlegungen, was ich tun könnte, damit nicht ALLES NOCH SCHLIMMER wird. Du kennst ja die Gedanken, Sonnenschein, die man sich macht, wenn man sieht, dass Papas Verhalten alles nur noch schlimmer macht und die Überlegungen, wie man ihn dazu bringen könnte, ES nicht zu tun. Und zu erkennen, ich kann es nicht Ă€ndern, ich kann nichts tun.

Innere Kinder habe ich schon viele gefunden, das stimmt, und ich habe mir einen inneren Kindergarten aufgebaut. Nicht nur die so schlimm verletzten Anteile sondern auch die fröhlichen frechen lebenslustigen. Zum Thema Verzeihen mache ich gleich mal einen eigenen Thread auf. Ich finde es sehr wichtig und vor allem, das Mir-selbst-verzeihen. Jemand anderem kann ich nicht verzeihen, dass kann er nur selbst. Wenn mein Exmann leugnet, dass er mich geschlagen hat, obwohl er ja genau weiß, dass er es gemacht hat, dann verzeiht er sich selbst nicht und projiziert seine "Schlechtigkeit" auf mich. Das ist nur eklig und damit möchte ich nichts mehr zu tun haben. Ich kann "verstehen", dass er das tut, aber auf einer tiefen Ebene ist da etwas nicht abgeschlossen.

LG
Gerda
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon sonnenschein2 6. Februar 2009 14:17

Liebe Gerda,
ich glaube, es ist der erste Schritt die Dinge ĂŒberhaupt zu erkennen. In der RealitĂ€t, so wie sie wirklich sind und nicht wie wir sie uns vorstellen. Es ist eben so, dass gewisse Dinge nicht so sind wie wir sie uns wĂŒnsche oder ersehnen. Zum Beispiel, dass Papa eben nicht den Kontakt so haben möchte wie ich es mir vorstelle.
Der nĂ€chste Schritt ist dann vielleicht dieses Tatsache zu akzeptieren, mit all den Konsequenzen die das haben kann. Mit dieser großen Trauer, Wut ect.
Danach kommt in meinen Augen das annehmen der Dinge die ich nicht Àndern kann. Denn ich kann ja zum Beispiel auch meine Sicht der Dinge Àndern. Indem ich ZustÀnde akzeptiere brauche ich nicht mehr Energie in die VerÀnderung zu stecken, sonder kann die Kraft bei mir lassen.
So wie du schon sagst, du nimmst die Schuld, die dir dein Exmann zuschiebt, nicht mehr an.
Ich finde du hast einen sehr großen Kraftakt geleistet. ...

Viele liebe GrĂŒĂŸe
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon Gerda 6. Februar 2009 14:42

Liebe Sonnenschein,
sonnenschein2 hat geschrieben:es ist der erste Schritt die Dinge ĂŒberhaupt zu erkennen
FĂŒr diesen ersten Schritt habe ich mein halbes Leben gebraucht! Es lag zwar vor meiner Nase, aber ich habe keinen Schritt getan, sondern mich so schlecht und schuldig gefĂŒhlt. Wenn man mich schlĂ€gt, mich verlĂ€ĂŸt, mich mit drei Kindern im Stich lĂ€ĂŸt, muß ich doch schuld sein, ein schlechter Mensch sein. Ich schĂ€me mich, das so zu schreiben - schließlich MÜSSTE ICH ES DOCH BESSER WISSEN UND KÖNNEN, aber ich HABE ES NICHT SEHEN, VERSTEHEN, FÜHLEN KÖNNEN!!! Mein Kopf wußte es anders, aber mein GefĂŒhl konnte diese Schuld nicht loswerden. Etwas TIEFES in mir hat die rĂŒbergeschobene Schuld immer sofort angenommen.

Mittlerweile habe ich es aber begriffen, dass es weniger weh tut, mich schuldig zu fĂŒhlen, als in das Auge des Schmerzes zu gehen, der durch das hervorgerufen wurde und dass ich das jahrelang getan habe, den Schmerz abzuwehren, indem ich mich schuldig gefĂŒhlt habe.

LG
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Re: Innerer Frieden

Beitragvon sonnenschein2 6. Februar 2009 20:48

Liebe Gerda,
deine Worte lesen sich sehr schmerzvoll fĂŒr mich. Ich danke dir, dass du uns hier daran teilhaben lĂ€sst.
Ich kann dir nachfĂŒhlen was du ĂŒber das SchuldgefĂŒhl schreibst. Irgendwie und irgendwo geht es mir Ă€hnlich. Aber das Erkennen und sich Auseinandersetzen mit den Dingen und Emotionen ist, trotz aller Schmerzen, der einzig gehbare Weg. Davon bin ich fest ĂŒberzeugt.

Ich wĂŒnsche dir sehr, dass dudiesen Weg weitergehen kannst und es sich fĂŒr dich gut anfĂŒhlt.
In sich ruhen zu können, friedlich ist ein schöne Vorstellung fĂŒr mich...
Liebe GrĂŒĂŸe
Sonnenschein2
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