Unendliche Schmerzen

Allgemeines Scheidungskinder Forum - Dies ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe fĂĽr Kinder und Eltern in allen Fragen rund um Trennung und deren Folgen.

Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tochter1979 6. September 2010 21:43

Hallo Peter,

ich habe die erste Seite deines Threats und die letzten beiden gelesen. Es hört sich nach einem langen Kampf an. Ich werde mit 30 Jahren nun Scheidungskind und stöber deshalb hier immer mal wieder rum um mir Mut zu holen. Ich finde es toll wie Du alles für Deine Söhne gibst, sie danken es Dir sicherlich ihr ganzes Leben lang!!! Es ist schön dass es Väter wie Dich gibt die es als oberste Priorität sehen die Kinder zu verschonen und glücklich zu sehen. Leider gibt es oft Elternteile wie Deine Exfrau. Verstehe das wer will. Ich kann mir gut denken dass das tiefe unheilbare Wunden bei Deinen Söhnen hinterläßt. Aber sie werden erwachsen und irgendwann tut es ihnen vielleicht nicht mehr sooo weh nur noch manchmal wenn sie daran erinnert werden. Deine Söhne werden sicher ihr Leben so gestalten dass sie aus der Sache lernen und bestimmt versuchen eine Trennung zu vermeiden und wenn dann wie Du um ihre eigenen Kinder mal kämpfen. Du kannst stolz auf Dich sein, ich glaube Du konntest nichts besser machen in den letzten Jahren. Ich wünsche Dir und vorallem auch Deinen Söhnen dass ihr mit der "Mutter" abschließen könnt. Vielleicht mag sie gekränkt und verletzt sein, aber SIE ist die MUTTER und sie sollte immer Interesse an den Kindern haben und zeigen. Ich würde nur noch versuchen über offizielle Wege an das Studiergeld von ihr ran zu kommen. Wie gesagt bei Bafög werden beide Eltern geprüft. Und selbst wenn nicht, Dein Sohn wird trotzdem studieren, es zeigt doch wie stark er ist wenn er selbst dafür jobben möchte. Ich finde das gut, er wird es schaffen. Und er hat ja immernoch einen super Papa bei dem er seine Probleme besprechen kann und das ist so viel wert.
Hoffentlich findet ihr alle 3 den Knopf der vielleicht noch fehlt um die Geschichte zu Ende zu bringen, zumindest soweit dass die Seelen Ruhe finden und es nicht mehr so sehr schmerzt.

Allles Gute fĂĽr Euch und gaaaaaaanz viel Harmonie fĂĽr Euer Leben!!!
Karo
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 8. September 2010 16:58

Liebe Scheidungsfreunde,

in der Tat kann ich wohl nichts gegen die Reaktion der Mutter tun, aber es ist bedrueckend, wie sie nach 4 jaehriger Abstinenz nun wieder den Kontakt zu den Kindern sucht, nur weil ein Auskunftsverfahren gegen sie läuft. Das war bei den damaligen Prozessen genauso und die Kinder haben immer wieder Hoffnung. Nun ja, vielleicht denke ich nicht mehr positiv genug, aber mein Herz sagt mir, da ist der Link von Mutter zu den Kindern total gestoert. Ihr Egoismus und die Gier nach Geld/bzw. sozialer Absicherung hat bei ihr gesiegt und das alte noch nicht reformierte Gesetz hat ihr auch alle Tueren geoeffnet.

@Tochter 1979. Danke fuer die netten Worte, es tut gut, aus neutraler Perspektive diese Worte zu hoeren.

Sicherlich werden wir das Studium meistern und es wird sicher eine Zeit der Entbehrungen geben. Meine Hoffnung ist immer noch die, dass die Richterin vielleicht nicht wieder voreingenommen ist. Sie hasst Väter und denkt, dass wir alle nur die Mütter ausnehmen wollen ...

Das Investment fuer die Kinder war und ist nicht leicht, das geht sicher allen Scheidungsopfern so, da soviel Geschirr zerschlagen wurde. Ich hoffe nur, dass meine Kids trotzdem unbeschwert in das weitere Leben tapsen werden.

Meine Seele wird vermutlich nicht zur Ruhe kommen, da ich nach soviel Ungerechtigkeiten die uns geschehen sind, immer noch eine extreme Wut habe, die von Zeit zu Zeit neu entflammt.

Liebe Gruesse
Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 12. Januar 2011 21:11

Hallo,

ich brauche etwas Hilfe. Mein grosser Sohn studiert jetzt seit 3 Monaten. (ca. 150 km Entfernung zur Heimat). Seit dem Studium leidet er unter Trennungsängsten. Er schafft es nicht, sich abzunabeln und überlegt, ob das Studium ueberhaupt das Richtige für ihn ist. Natuerlich ist es legitim darueber nachzudenken und ich baue auch keine Barrieren auf.

Jedoch kommen seine Zwänge zurück und er ist unendlich traurig, wenn ich mal auf eine Geschäftsreise muss, die 1 bis 2 Wochen in Asien stattfindet. Ich möchte ihm so gerne helfen, nehme aber nur eine beratende Funktion ein. Bin mir aber nicht sicher, ob es richtig ist. Ich moechte ihm ganz sicher nicht sagen, was er tun soll und was nicht. Mit 19 Jahren hat er eine gewisse Reife dazu erlangt.

Ich bin total ĂĽberfragt und weiss nicht, wie ich seine "nonstop"Traurigkeit nehmen kann und mache mir Sorgen, dass er depressiv wird. Die aufgesuchte Psychologin meinte, dass man ggf. Antidepressiva nehmen kann, man sollte aber einen Arzt konsultieren. Da war mein Sohn entsetzt, als er diese Message bekam.

Hat jemand praxisnahe Tipps ?
LG. Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Bärchen 12. Januar 2011 23:23

Lieber Peter

Ich habe immer mal wieder bei deinem langen Beitrag reingestöbert, kenne aber die Details und die letzten Geschehnisse nicht.

Ich möchte dir einfach schreiben was mir spontan zu deinem letzten Beitrag in den Sinn kommt:
Ich könnte mir vorstellen, dass er jetzt - fern von der Heimat - ins grübeln kommt. Sich mit seinen Studienkollegen vergleicht, sieht was er hat und was er nicht hat.
Für mich klingt es so, als würde dein Sohn am Wochenende so oft als möglich heimkommen wollen (und ist dann enttäuscht wenn du nicht da bist?). Wohnt er am Studienort in einer Wohngemeinschaft oder hat sonst bereits nette Leute kennengelernt mit denen er etwas unternehmen könnte? Oder verkriecht er sich eher nur zuhause?
Das studentische Leben bietet so viel! Vielleicht kannst du ihn dazu motivieren am Studienort eine neue Sportart oder sonstige Freizeitangebote der Uni zu nutzen? Die neue Stadt zu entdecken?
Vielleicht könnten ihm Antidepressiva (oder eine sonstige kleine medikamentöse Unterstützung) tatsächlich helfen den Übergang zu schaffen?
Betreffend ob es das Studium das richtige für ihn sei: Ich fände es verfrüht, nach 3 Monaten bereits den Bettel hinzuschmeissen, denn oft hat das Grundstudium ja sehr wenig mit den Möglichkeiten in den höheren Semestern und der späteren Tätigkeit zu tun. Wenn es finanziell möglich ist, soll er sich doch z.B. ein Jahr Zeit geben und dann Bilanz ziehen, ob er weitermachen will oder ob es tatsächlich nicht das Richtige für ihn ist.
Das sind einfach so meine Gedanken...
LG
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tamara22 13. Januar 2011 07:40

Hallo,

ich habe hier auch nicht alles gelesen, wollte aber eben meine Gedanken zu Antidepressiva schreiben.
Wenn es so ist, dass dein Sohn non-stip traurig ist, dann könnte man diesen Weg gehen, damit er Luft holen kann und dann in einer Therapie Unterstützung bekommt um sich seinen Ängsten zu stellen. Du schriebst von Zwängen, die zurück kommen, welcher Art sind die? Möglicherweise macht auch eine andere Therapieform für ihn Sinn, da gibt es ja einige...
Ich hoffe, dass ihr einen guten Weg findet. Ich kann mir die Angst vorstellen, die du dir um deinen Sohn machen wirst.

Liebe GrĂĽĂźe Tami
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 14. Januar 2011 04:45

Hallo,

in der Tat vergleicht er sich mit anderen Studienkollegen und er stellt fest, dass er viel júnger ist als die Anderen, da er nicht zur Bundeswehr musste als Auslandsdeutscher. Er fühlt sich in Deutschland selbst als Ausländer, obwohl er auf den Papieren ein Deutscher ist. Er lebte aber 80 % seines Lebens nicht in Deutschland. Dazu kommt die Nonstop Enttäuschung der Situation, dass die Mutter so wenig Interesse zeigt und die Erinnerung, dass er schon damals immer als Kleinkind sehr traurig war, wenn ich auf Geschäftsreise musste, da er nicht alleine bei seiner Mutter sein wollte/konnte. Er hatte und hat immer einen extrem starken Bezug zu mir, sodass ich selbst kaum Zeit für mich selbst in den letzten Jahren hatte/habe.

Die Idee mit dem Sport hatte ich auch schon, aber er kann es sich nicht vorstellen, obwohl er regelmässig Sport machte, als er noch bei uns wohnte. Er lebt aus Koffern und kann sich nicht einnisten, obwohl das äussere Nest schön und gepflegt ist. Wir haben seine neue Wohnung gemeinsam eingerichtet und gestrichen etc ...

Sicherlich wird er ein komplettes Studienjahr beenden, aber er leidet darunter zumindestens in der Zeit, wenn er dort ist. Am Wochenende, kommt er immer wieder zu mir zurueck.
Das ist aber OK fĂšr mich und sicher kein Hindernis.

Er hatte als Kleinkind immer Zwänge, weil er wohl seine Wutgefuehle nicht gegenueber seiner Mutter richtig ausdruecken konnte. (Händewaschen nonstop etc.... ) Er war über 5 Jahre bei einer Psychologin und dort wurde ihm gut geholfen. Alles war mehr oder weniger wieder ok und jetzt kommt alles zurueck. Die Zwänge druecken sich jetzt in absoluter Unsicherheit aus, ob die Wohnung abgeschlossen ist, der Herd aus ist .... etc. Er braucht 30 Minuten, um seine Wohnung zu verlassen (Schliessvorgang).

Die Traurigkeit ist immer sofort weg, wenn er am Wochenende bei mir zu Hause ist und seine Angst beginnt Sonntag abend, wenn er am Montag frueh wieder zur Uni muss ....

Ich bin ratlos ....
Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tamara22 14. Januar 2011 07:50

Lieber Peter,

das klingt schlimm und ich könnte mir vorstellen, dass dein Sohn grade jetzt die Unterstützung eines Psychologen brauchen könnte. Er hatte das schon früher und die Theapie hat gut geholfen, vielleicht sollte das Vorrang haben und das Studium noch einen Moment warten. So wie es für mich klingt geht er da über eine eigene Grenze, was ihn unsicher macht und versucht nun Sicherheit zu erlangen in dem er alles kontrolliert. Noch steh er am Amfang, weil es "freie" Momente gibt, schaut doch wie ihr den sicheren Rahmen schaffen könnt, damit er eine andere Strategie erlernen kann um für seine Grenzen zu sorgen und für seine Sicherheit.

Was er erlebt habt erklärt mir schon das Entstehen, für ein kleines Kind war das schlimm und beängstigend und haltlos.
Scheinbar haben sich seine Zwänge nun inhaltlich geändert, denn ein Waschzwang und ein Kontrollzwang sind zwei paar Schuhe. Ich habe von einer Klinik gehört. die mit stationärer Therapie und Anschlussbehandlung sehr gute Möglickeiten der HIlfe anbietet...

Ich wĂĽnsche euch viel Kraft und deinem Sohn Ruhe, innerliche
alles Liebe Tami
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 23. Januar 2011 17:31

Hallo,

während meiner beruflichen Auslandsreise hatte er sich nun bei seinem kleinen Bruder eingenistet, den ich bei einer befreudeten Familie untergebracht hatte. Offensichtlich hat es ihm geholfen. Nun bin ich zurückgekehrt und alles scheint wieder gut zu sein. Er sucht jetzt nach einer anderen Universität, die "menschlicher" ist und ihm ein familiäres Umfeld bzw. Ersatz bietet, so wie er es teilweise in Schweden kennengelernt hatte.

Er vermisst unheimlich die Geborgenheit und solch eine blöde Scheidung tut den Kindern immer extrem weh, ein Leben lang. Hoffentlich findet er seinen Weg.

Mit Medikamenten möchte er sich nicht behandeln lassen, ich kann es auch gut verstehen. Mal sehen was seine neuen Recherchen in Zukunft bringen.
Liebe GrĂĽsse
Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tamara22 23. Januar 2011 20:56

Hallo,
den Wunsch nach Geborgenheit kennen denke ich alle Menschen und wenn davon etwas zu einer bestimmten Zeit unerfüllt geblieben ist, dan sucht das inner Kind weiter danach. Das Aussen möglichst darauf anzupassen ist sicher eine Möglichkeit, ich weiß nicht wie gut das tatsächlich umzusetzen ist im Alltag. Ich wünsche deinem Sohn dass er da einen Weg für sich findet und auch dass er Ideen bekommt für andere Lösungsansätze den unerfüllten Wunsch seines inneren Kindes zu befriedigen...
Dass er keine Medikamente nehmen will scheint mir da völlig klar, wenn ich das so lese, sie sind keine Strategie um Geborgenheit zu erzeugen.
Das können sie nicht leisten.
Ich drücke euch die Daumen und mag nochmal vorsichtig einwerfen, dass auch Nicht-Scheidungskinder diese Erlebnisse haben und nach Geborgenheit suchen und dass eine Scheidung sowas vielleicht auslösen kann der Umkehrschluss aber nicht stimmt, dass es ohne Scheidung nicht passiert wäre. Vielleicht kann dich dieser Gedanke etwas erleichtern.

Liebe GrĂĽĂźe Tami
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon MarliJo 24. Januar 2011 01:12

Hallo Peter !

Die momentane Situation ist ganz sicher hart fĂĽr ihn, auch allein deshalb, weil durch die Lebensumstellung nun mehr oder minder eine Autonomie erforderlich geworden ist, die er bislang noch nicht wirklich lernen konnte?, die wohl aber nicht unbedingt "Scheidungskindertypisch" ist... von daher ist er damit vielleicht gar nicht so allein, den Weg in das Neue zu finden.
Das es ihm nach dem erlebten/"erlernten" aber besonders schwer fällt, sich in seine neue Rolle einzuleben, kann ich mir jedoch gut vorstellen. Ich denke, dass die Grundsteine für all seine Zwänge, Ängste, Unsicherheiten im Kindesalter gelegt worden sind, als er Geborgenheit vermisst hat und es unbewusst vielleicht so gefühlt hat, das er um "jedes Pfitzelchen" Wahrnehmung oder Anerkennung betteln/kämpfen musste ? Kann es sein, dass dies letztlich bei ihm zu dem Zwang führt, seinem Umfeld deutlich zu machen , alles besonders gründlich zu machen, um Liebe und Anerkennung zu bekommen,...und falls ja, wie oft hat er schon (seit Kindesalter) die Erfahrung machen müssen, dass durch "alles richtig machen wollen" kaum Geborgenheit zu erlangen ist ? Ich kann mir vorstellen, dass das Desinteresse seiner Mutter ein Gefühl des > ich kann nichts !< ausgelöst haben mag.
Dieses "kindliche" Gefühl hat er möglicherweise mitgenommen. Nimmt es besonders mit, wenn er sich allein und hilflos fühlt und kann es loslassen, wenn er zu dir kommt und sich geborgen fühlt. Das ist ein wichtiges Gefühl, lieber Peter.
Ich fände es für ihn auch! wichtig, dass er nicht mit dem Gefühl leben muss, dass die Trennung und die Mutter an allem Schuld ist, was er (und du?) als belastend empfindet, wenngleich der Kopf dies so wahrnimmt.
Aber hilft es deinem Sohn letztlich, wenn er "lernt", >ich lasse mich in Papas Hände fallen, wenn es mir nicht gut geht,..er wird mich tragen<?
Tamaras Gedanke, dass es um unerfĂĽllte WĂĽnsche des inneren Kindes bei deinem Sohn geht, kann ich gut nachempfinden.
Ich glaube, das du diese WĂĽnsche bis in das Erwachsenenalter deines Sohnes kompensieren kannst. Dieses innere Kind, so denke ich, sich immer wieder in ihm melden, wenn es sich "unterversorgt" fĂĽhlt und der groĂźe Sohn verzweifelt nach Auswegen sucht - wie die RĂĽckkehr zu dir.
Nein, ich meine nicht, dass du deinem Sohn deine Nähe verwehren solltest, dass nicht. Vielleicht kannst du ihm einen Weg aufzeigen des Zutrauens, des "gut sein lassens" mit seiner Vergangenheit- nicht im Sinne von vergessen/verdrängen, sondern im Sinne von >es war so,...dafür kann ich nichts< ?!
Wenn du irgend kannst, versuch deinen Sohn darin zu unterstützen, sich davon freizumachen, dass andere/s (seine Mutter/die Trennung) letztlich schuldig daran sind, dass er sich "unfähig" fühlt. Solange er den Weg geht/gehen kann, dass er die Schuld bei anderen suchen kann für negativ empfundes, wird er sich, glaube ich, seiner Aufgabe, Verantwortung selbst zu gestalten, letztlich kaum stellen können,... weil ihm da immer wieder das verletzte KInd ein Strich durch die Rechnung machen wird.

Wenn ich mit meinem Gedanken daneben liege, rĂĽck es bitte zurecht.
Liebe GrĂĽĂźe
MarliJo
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 2. Februar 2011 15:07

Vielen Dank fuer Eure Anregungen.

In der Tat gab es in seiner fruehen Jugendzeit oft Probleme, da ich durch meinen Beruf schon immer fast nur am Wochenende zu Hause war. Sonntag nachts musste ich mich von ihm immer verabschieden und es viel ihm immer extrem schwer. Oft telefonierten wir noch stundenlang waehrend ich in mein Firmenappartment fuhr. Vermutlich war er in diesen Momenten dann alleine und seine Mutter konnte ihm nicht das Gefuehl der Geborgenheit vermitteln. Das ist in der Tat vielleicht ein Ansatzpunkt.

Vermutlich hat ihn meine kürzliche Reise nach Asien um einige Längen zurückgeschlagen, da er an seine Kindheit erinnert wurde.

Mittlerweile fährt er nun jeden Tag hin und her (250 km) und kehrt immer wieder in das Vater Nest zurueck, obwohl wir ihm eine schoene Wohnung am Studienort eingerichtet haben.

Ich glaube, dass der Versuch eine "neutrale" Verbindung zur Mutter aufzubauen besser gelingt, als noch vor einigen Jahren. Er kann jetzt deutlicher Emotionen zeigen und er ist auch intelektuell seiner Mutter gewachsen und kann die Situationen anders einschätzen. Zumindestens bekomme ich zeitweise Telefonate mit, in denen gestritten wird, aber auch Kompromisse gefunden werden.

Vermutlich wird er die gesuchte Geborgenheit bei seiner Mutter nie finden. Momentan orientiert er sich weiter und denkt ĂĽber ein Studium weiter ausserhalb von Europa nach. Er will ein Feriensemester nutzen, um herauszufinden, ob er die Entfernung ĂĽberwinden kann.

Liege ich da richtig mit meinen Ăśberlegungen ?

Liebe GrĂĽsse
Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tamara22 2. Februar 2011 18:13

Hallo,
sicher kann das so sein wie du es erlebst und für dich interpretierst, allerdings siehst du ihn aus den Augen des Vaters und kannst natürlich nicht alle Aspekte die ihn betreffen mit einbeziehen. Ja vielleicht hat ihm Geborgenheit gefehlt, vielleicht hat er dein Wegfahren auch mit etwas anderem asoziiert und eine emotionale Verknüpfung geschaffen , die ihm möglicherweise nicht bewußt ist. Ich kenne solche Erlebnisse aus meiner Kindheit, die ich für mich als extre schlimm empfunden habe, die von aussen betrachtet aber kaum als schwerwiegend gesehen werden können. Dennoch, das Kind in seiner derzeitigen Siutation mit seinem Erleben und seinen Überzeugungen von sich und seiner Welt interpretiert eine Situtation und die kann Ausschlaggebend sein für weiteres Erleben und Codieren von Erlebtem...
Mir ist es nicht so wichtig, wie so etwas zustande kommt, vielleicht könnte ein Gespräch mit deinem Sohn über deine Ideen zu ihm ja ein Ansatzpunkt sein, Verdecktes und Unbewußtes anzusprechen. Vielleicht...
Ich finde es gut, dass du für ihn da bist und er sich dessen scheinbar auch mit für ihn nötiger Sicherheit bewußt ist, das ist doch eine gute Basis um weiterzugehen.
Ein Auslandsstudium, das ĂĽberrascht mich, zeigt mir aber auch, dass er sich seines Themas was Entfernung anbetrifft scheinbar bewuĂźt ist. Er wird seinen Weg gehen, da bin ich mir sicher.

Liebe GrĂĽĂźe fĂĽr den Moment
Tami
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 9. Februar 2011 08:46

Hallo Tami,

nun habe ich einen Zeitpunkt gefunden, um mit meinem Sohn unter 4 Augen zu sprechen. Es ist immer wieder die Erinnerung aus seiner Kindheit, als er ca. 10 Jahre alt war, die ihm zu schaffen macht. Ich musste in der damaligen Zeit immer beruflich ins Ausland fahren und er fĂĽhlte sich dann so alleine. Er hat einfach nur Angst, dass er mich wieder verliert (aus seiner Sicht).
Obwohl er eine eigene Wohnung am Studienort hat, war er dort knapp 10 Nächte und fährt dann doch lieber wieder in seine Heimat, weil er hier die Geborgenenheit findet. Mein Bruder sagt mir, ich solle ihn loslassen oder zumindestens überzeugen 3 bis 4 Naechte am Studienort zu verbringen. Ich bin mir so unsicher und mir ist unwohl bei dieser Sache.

Mein GefĂĽhl sagt mir, er kann diesbezueglich machen, was er will. Wenn er die Geborgenheit sucht und braucht, dann kann er ruhig kommen. Vermutlich ist es eine Frage der Zeit, bis er selbstsicherer und freier wird ? Sehe ich das so richtig ?

LG. Peter
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon Tamara22 10. Februar 2011 07:52

Hallo Peter,

ich finde es erstmal toll, dass du mit deinem Sohn gesprochen hast. Eine Lösung wie du dich verhalten sollst kann ich dir natürlich nicht geben, denn ich kenne deinen Sohn nicht. Ich schreibe dir mal, was mir so einfällt dazu. Dein Bruder hat eine Idee, die Sinn macht bei jedem "gesunden" jungen Erwachsenen, wenn ein Elternteil klammert, loslassen.
Dein Sohn hat aber eine besondere Art um Kontakt zu dir zu bitten, die er so zeigt, die vielleicht nicht der Norm entspricht, aber eben seine spezielle Art ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit zu erfüllen. Du kannst ihm das nicht immer zur Verfügung stellen, was du aber kannst glaube ich, ist ihn auf dem Weg flügge zu werden zu unterstützen und zu begleiten. Mal ganz klar ein Kind das Angst hat vor dem Alleinsein das läßt man nicht allein, ich glaube für die Holzhammermethode ist die Zeit abgelaufen.
Was dein Sohn sich in einer Therapie anschauen kann ist, die Angst vor dem Alleingelassen werden, worum geht es dabei genau, fĂĽr das Kind? Und wie kann ich mir Sicherheiten schaffen weil ich es will und nicht weil ich es muĂź (gezwungen bin...daher der Zwang).
Wann und ob er es alleine schafft weiĂź ich nicht und ich denke er muĂź es nicht allein schaffen, dafĂĽr gibt es UnterstĂĽtzung.
Schau mal nach deinem Gefühl des Unwohlseins, worin besteht es, was löst es aus? Was brauchst du für dich, damit du dich mit dieser Situation wohl fühlst? Und auch deine Bedürfnisse wollen erfüllt sein!

Fakt ist, er hat das Glück einen Papa zu haben der da ist, so gesehen besteht im Moment keine Not, das bietet die Möglichkeit von Zeit, sich das anzuschauen, sich zu verändern, zu wachsen...das alles eben was er bisher noch nicht tun konnte aus welchen Gründen auch immer! Magst du ihm diese Gelegenheit bieten, dann tu es und wenn du es nicht willst, dann sag ihm das auch offen und ehrlich, denn auch das ist Sicherheit, die du bietest, klar und deutlich zu sein.

Alles Liebe Tami
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Re: Unendliche Schmerzen

Beitragvon peter 1965 27. März 2011 23:51

Vielen Dank liebe Tamara fuer Deine wertvollen Hinweise.

Es ist so verdammt schwer, ein guter alleinerziehender Vater zu sein, wenn die Mutter aus der Ferne kein Interesse fuer die eigenen Kids zeigt. Nach 2 Jahren der Abstinenz, konnte ich sie erstmalig telefonisch erreichen und bat sie, nicht aufzulegen. Sie hoerte nicht zu und machte dort weiter wo 2006 alles aufhoerte. Sie hat sich nicht weiterentwickeln koennen.

Es ist so schlimm fuer die Kids zu sehen, dass die eigene Mutter kein Interesse zeigt. Die beiden Jungs tun mir so leid. Vermutlich muessen sie mit diesem Umstand leben ...

LG. Peter
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